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Verfasserschaft, Datierung und Hintergrund
Das Vierte Makkabäerbuch ist eine griechisch-jüdische Rede über die Macht der durch das Gesetz geschulten Vernunft, die Leidenschaften zu beherrschen. Sein Verfasser nennt sich nicht. Die alte Zuschreibung an Flavius Josephus wurde von der Jewish Encyclopedia verworfen, die das Werk vorsichtig vor den Fall Jerusalems setzt, ohne ein Datum festzulegen. Die Rede erzählt die Martyrien des Eleasar und der sieben Brüder mit ihrer Mutter unter Antiochus neu, die auch in 2. Makkabäer 6–7 berichtet werden. Ihr Hauptzweck ist es, eine sittliche Behauptung durch deren Tod zu erweisen, nicht die politische Geschichte der übrigen makkabäischen Bücher fortzuführen.
Aufbau der achtzehn Kapitel
Die Kapitel 1–3 stellen die These auf und verteidigen sie, dass die fromme Vernunft die Leidenschaften beherrscht, mit Beispielen und Begriffsbestimmungen. Kapitel 4 führt die Verfolgung ein; 5–7 folgen dem Widerstand und Tod des Eleasar. In 8–13 verweigern die sieben Brüder die verlangte Speise und erleiden nacheinander Folterungen. Die Kapitel 14–17 richten den Blick auf ihre Mutter, ihre Bindung an die Söhne und die Bedeutung, die ihrem Tod beigemessen wird. Kapitel 18 kehrt zu einem Aufruf an Israel zurück und vollendet den Beweis.
Themen und Schlüsselstellen
Die Frage in 1:1 bestimmt das ganze Werk: Kann die fromme Vernunft die Leidenschaften meistern? In 2–3 ist die Vernunft nicht vom Gesetz gelöst, sondern durch dessen Gebote geschult. Eleasar lehnt in 6:15–23 sogar den Anschein einer Übertretung ab; Kapitel 7 malt seine Entschlossenheit im Bild eines Steuermanns. Die gemeinsame Antwort der Brüder in 9 und die Erörterung der Geschwisterliebe in 13–14 bereiten das Bild ihrer Mutter in 15–16 vor. Kapitel 17 misst ihrem Tod Bedeutung für das Volk bei, bevor der abschließende Gehorsamsruf in 18 folgt.
Zusammenfassung nach Abschnitten
1–4: Der Redner legt seine These dar, betrachtet Begierde, Zorn und Schmerz und zieht sogar den Durst Davids als Beispiel heran. Dann verortet er die Gewalt des Antiochus im Streit um den Hohenpriester Onias und die jüdische Lebensweise.
5–13: Eleasar weist den Befehl zurück, Schweinefleisch zu essen, und den Vorschlag, nur so zu tun, als füge er sich. Nach seinem Tod werden sieben Brüder der Reihe nach verhört und gefoltert; jede Weigerung zeigt den Konflikt zwischen dem Befehl des Herrschers und der Treue zum Gesetz. In 13 kehrt der Erzähler zu seiner Hauptthese zurück.
14–18: Die Aufmerksamkeit wendet sich der mütterlichen Zuneigung zu, die als wirkliche Kraft behandelt wird, der sich die Mutter stellt, nicht als Abwesenheit von Trauer. Der Text lobt die Standhaftigkeit der Familie, deutet ihr Schicksal und schließt mit der Mahnung an Israel, dem Gesetz zu gehorchen.
Rezeption, Kanon und Handschriften
Das Vierte Makkabäerbuch liegt außerhalb der Hebräischen Bibel. Einige christliche griechische Handschriften bewahren es unter den makkabäischen Büchern: Der Codex Alexandrinus ist ein wichtiger Zeuge seines Textes. Auch die christliche Überlieferung kam in Predigten und Gedenkfeiern auf die makkabäischen Märtyrer zurück. Diese Verbreitung verleiht dem Buch nicht in jeder biblischen Tradition denselben kanonischen Status.
Quellen
- Jewish Encyclopedia, Maccabees, Books of (1906).
- Jan W. van Henten, First–Fourth Maccabees (2011).