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Verfasserschaft, Datierung und Überlieferung
Die Geschichte Josephs des Zimmermanns hat keinen geschichtlich fassbaren Verfasser. Ihr Eingang sagt, Jesus habe die Geschichte den Aposteln auf dem Ölberg erzählt und sie hätten sie in einer Bibliothek in Jerusalem niedergelegt (1:1). Das ist der literarische Anspruch des Werkes selbst, kein unabhängiger Beleg für eine apostolische Verfasserschaft. M. R. James beschrieb es als ägyptisch, nicht älter als das 4. Jahrhundert und wahrscheinlich später; ein genaues Abfassungsjahr nannte er nicht. Die Erzählung wendet sich an ein christliches Publikum, das mit Jesus, Maria und dem Gericht nach dem Tod vertraut ist. Ihr zentrales Anliegen ist Josephs Heimgang und die Pflege seines Gedächtnisses. Sowohl der Eingang als auch das spätere Versprechen eines jährlichen Festes machen diesen Zweck sichtbar (26:1; 30:1).
Auch die Geschichte des Textes verlangt Sorgfalt. James nannte vollständige Formen im bohairischen Koptisch und im Arabischen sowie fragmentarische Zeugen im sahidischen Koptisch. Tony Burkes Katalog verzeichnet die Handschriften und Ausgaben, darunter die arabische Ausgabe, die Antonio Battista und Bellarmino Bagatti 1975 veröffentlichten. Alin Suciu untersuchte und edierte ein sahidisches Fragment, das heute in der Sammlung der Duke University liegt. Der heutige Aufbewahrungsort einer Handschrift bestimmt nicht, wo das Original geschrieben wurde. Alle zweiunddreißig Kapitel sind hier verfügbar, von der Eingangsansprache bis zum abschließenden Gespräch mit den Aposteln. Die Verseinteilung der Seite ist ungewöhnlich grob: Kapitel 1 hat zwei Verse, jedes spätere Kapitel einen einzigen Vers. Die Verweise unten folgen dieser Einteilung und nicht der Zählung anderer Ausgaben.
Gliederung und Hauptthemen
Die Erzählung entfaltet sich in sechs Stufen: Die Kapitel 1–4 führen Jesu Rede, Josephs erste Familie und Marias Ankunft ein; 5–11 berichten von Empfängnis und Geburt Jesu, der Flucht, der Rückkehr und dem Leben im Haus; 12–17 folgen der Todesankündigung, Josephs Gebet, seiner Krankheit und seinen letzten Worten; 18–24 beschreiben seinen Todeskampf, den Schutz seiner Seele und die Reaktion der Familie; 25–29 behandeln die öffentliche Trauer, Verheißungen über sein Gedenken und die Bestattung; 30–32 kehren zu den Fragen der Jünger zurück. Zusammen decken diese Bereiche das ganze Werk ab. Der Bericht von Josephs Tod ist sein Mittelpunkt, während die frühere Lebensgeschichte das Haus erklärt, in dem Jesus ihn Vater nennt.
Sechs Themen helfen, die Teile miteinander zu verbinden. Der apostolische Rahmen stellt den Bericht als Unterweisung durch Jesus dar (1:1; 30:1). Josephs erste Ehe liefert eine erzählerische Erklärung für die Brüder und Schwestern Jesu (2:1; 11:1). Marias Auswahl durch das Los und ihre Fürsorge für Jakobus verbinden Tempel und Haus (4:1). Josephs Handwerk versorgt das Haus vor und nach der Flucht (2:1; 9:1). Furcht vor Tod und Gericht treibt sein langes Gebet und Bekenntnis an (13:1; 16:1). Schließlich geleiten Engel seine Seele, während der Gedenktag an Gaben für Bedürftige geknüpft ist (23:1; 26:1). Das sind Behauptungen innerhalb einer späten religiösen Erzählung, keine biografischen Tatsachen, die durch zeitgenössische Aufzeichnungen gesichert wären.
Zusammenfassung nach Teilen
1–4: Der Prolog nennt Josephs angebliches Alter und Todesdatum und stellt die Geschichte als Worte Jesu dar, die von den Aposteln bewahrt wurden. Auf dem Ölberg sagt Jesus seinen eigenen Tod und seine Auferstehung voraus, spricht von Umkehr und Gericht und leitet das Leben seines irdischen Vaters ein. Joseph wird als Mann aus Bethlehem dargestellt, als Priester und Zimmermann, zuvor verheiratet und Vater von vier Söhnen und zwei Töchtern. Nach dem Tod seiner Frau übt er sein Handwerk weiter aus. Maria ist im Tempel aufgewachsen; als die Priester entscheiden, dass sie einen Vormund braucht, wählen sie Joseph durch das Los. In seinem Haus sorgt sie für Jakobus, der noch um seine Mutter trauert. Die Erzählung erklärt aus dieser Fürsorge, warum Maria die Mutter des Jakobus genannt wurde. Der Anfang begründet so einen Haushalt und ein Geflecht von Beziehungen, bevor sich der Bericht der Empfängnis Jesu zuwendet (1:1; 2:1; 4:1).
5–11: Jesus, der als Erzähler spricht, führt seine Empfängnis auf göttliches Wirken zurück. Joseph entdeckt Marias Schwangerschaft und erwägt, sie heimlich zu entlassen, doch ein Traum, in dem Gabriel spricht, beruhigt ihn. Ein Befehl zur Schätzung führt sie nach Bethlehem, wo die Geburt in einer Höhle nahe dem Grab Rahels stattfindet. Herodes' Drohung führt zur Flucht nach Ägypten, wobei Salome die Familie begleitet. Nach dem Tod des Herodes lassen sie sich in Nazareth nieder, wo Joseph seinen Lebensunterhalt als Zimmermann verdient. Der Bericht nimmt sein späteres Alter von einhundertelf Jahren vorweg und beschreibt seine anhaltende körperliche Stärke. Einige Kinder aus seiner ersten Ehe haben eigene Häuser; Judas und Jakobus bleiben bei Joseph, Maria und Jesus. Jesus sagt, er habe Maria Mutter und Joseph Vater genannt und beiden gehorcht. Diese Kapitel verbinden bekannte Ereignisse der Kindheit mit einem Bild von gewöhnlicher Arbeit und Familienleben (5:1; 8:1; 11:1).
12–17: Ein Engel warnt Joseph, dass der Tod nahe ist. Er geht zum Tempel in Jerusalem, um zu beten, dass Michael seine Seele geleite, sie vor feindlichen Wesen schütze und ihm beim Gericht die Bloßstellung seiner Sünden erspare. Zurück in Nazareth wird er schwer krank. Der Erzähler berichtet von den Jahren in Josephs erster Ehe, von Marias Ankunft und von der Geburt Jesu. Als sein Todestag näher rückt, verliert Joseph das Interesse am Essen und kann nicht mehr arbeiten. Seine Klage nennt Teile seines Körpers und die ihnen zugeordneten Verfehlungen und gibt seiner Furcht vor der Rechenschaft einen greifbaren Ausdruck. Jesus kommt zu ihm, und Joseph erinnert sich an seinen früheren Zweifel an Marias Schwangerschaft und an die Botschaft des Engels, die ihn umstimmte. Er erinnert sich auch an einen Knaben, der nach einem Schlangenbiss starb und von Jesus wiederhergestellt wurde. Josephs Rede endet als Bitte um Vergebung und Schutz und hält den Blick auf seine Angst an der Schwelle des Todes gerichtet (12:1; 13:1; 17:1).
18–24: Maria sagt Jesus, dass Joseph im Sterben liegt. Jesus antwortet, dass der Tod alle Menschen erreicht, auch Maria und, was seinen Leib betrifft, ihn selbst. Gemeinsam beobachten sie Josephs schwindende Sprache, sein Bedürfnis, dass Jesus seine Hände hält, und die Kälte seiner Füße. Die Kinder versammeln sich und trauern mit Maria und Jesus. Dann erscheint der Tod als Person, begleitet von furchterregenden Mächten. Jesus vertreibt sie und bittet den Vater, Michael, Gabriel und andere Engel zu senden. Sie hüllen Josephs Seele ein und tragen sie sicher weiter, während seine Kinder noch nicht wissen, dass er gestorben ist. Jesus schließt dem Leib die Augen und sagt der Familie, dass Joseph in die Ruhe eingegangen ist. Die körperliche Zuwendung zum Sterbenden steht neben den Bildern des Werkes von der bedrohten Seele und dem himmlischen Schutz. Die Engelszene vermittelt die religiöse Vorstellung des Werkes und keine nachprüfbare Beobachtung von Josephs letzter Stunde (18:1; 21:1; 23:1).
25–29: Die Trauer zieht Menschen aus Nazareth und Galiläa herbei. Der Leib wird gesalbt, und Jesus befiehlt den Engeln, ihn in leuchtende Gewänder zu hüllen. Er verheißt, dass Josephs Leib nicht verwesen wird, und verbindet sein jährliches Gedenken mit Opfergaben, Speise für die Armen, Witwen und Waisen, Wasser, das in seinem Namen gegeben wird, und Abschriften der Geschichte selbst. Diese Verheißungen zeigen, wie unmittelbar das Werk zum Gedenken an Joseph ermutigt. Als die Trauernden die Bestattung vorbereiten, können sie das Tuch, das an seinem Leib haftet, nicht entfernen. Sie tragen ihn zu einer Höhle, um ihn bei seinen Vorfahren zu begraben. Vor der Bestattung weint Jesus und spricht vom Tod als Folge der Übertretung Adams und fügt hinzu, dass er selbst im Fleisch sterben müsse. Die Beisetzung schließt Josephs Lebensgeschichte ab und wiederholt das ihm zugeschriebene Alter und Datum. Trauer, Barmherzigkeit und Nachdenken über die menschliche Sterblichkeit laufen am Grab zusammen (25:1; 26:1; 29:1).
30–32: Die Apostel sprechen wieder und fragen, warum ein gerechter Mann, den Jesus Vater nannte, nicht wie Henoch und Elia vor dem Tod bewahrt wurde. Ihre Frage legt eine Spannung offen, die die Geschichte selbst erzeugt: Joseph wird geehrt, und doch stirbt er. Jesus antwortet, dass der mit dem Ungehorsam Adams verbundene sterbliche Zustand auch diese beiden Gestalten erreichen werde. Nach seiner Antwort kehren sie gegen Ende der Zeit zurück und werden vom Antichrist getötet. Eine letzte Frage verlangt die Namen der vier Opfer; Jesus nennt Henoch, Elia, Schila und Tabitha. Das Werk schließt mit dem Lob Gottes. Sein Ende kehrt zur Lehrszene zurück, die zu Beginn angekündigt wurde, und nutzt Josephs Familiengeschichte, um über Tod, Gerechtigkeit und künftige Hoffnung zu sprechen. Den Jüngern wurde bereits aufgetragen, sein Gedächtnis jährlich zu begehen. Dieser Schluss ist eine vom Text ausgesprochene Erwartung, kein unabhängig gesicherter geschichtlicher Zeitplan (30:1; 31:1; 32:1).
Rezeption und Grenzen des Berichts
Die Geschichte Josephs des Zimmermanns gehört zur christlichen apokryphen Literatur und ist nicht Teil des neutestamentlichen Kanons. James verband sie mit dem ägyptischen Interesse am Fest Josephs; der Text selbst verspricht wiederholt Belohnungen, die mit dem jährlichen Gedenken verbunden sind. Burke verzeichnet koptische und arabische Zeugen und stellt Beziehungen zum Protevangelium des Jakobus und zu anderen Kindheitsüberlieferungen fest. Sucius Ausgabe eines sahidischen Fragments liefert weiteren Beleg für ihre vielfältige Überlieferung. Keiner dieser Zeugen macht aus der Zuschreibung an die Apostel im Prolog eine zeitgenössische Mitschrift. Das Alter von einhundertelf Jahren, die genannten Kinder und der Bericht von der Reise der Seele sind Elemente der Geschichte, wie christliche Erzähler sie überlieferten. Die gemeinsame Lektüre der zweiunddreißig Kapitel zeigt, warum die frühen häuslichen Episoden für das Hauptthema des Werkes wichtig sind: Josephs Tod und die zu seinem Gedächtnis vorgeschlagenen Bräuche.
Quellen
- M. R. James, The History of Joseph the Carpenter, em The Apocryphal New Testament (1924).
- Tony Burke, History of Joseph the Carpenter, e-Clavis: Christian Apocrypha (2019).
- Alin Suciu, A Coptic Fragment from the History of Joseph the Carpenter in the Collection of Duke University Library (2013).