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Verfasserschaft, Datierung und Rahmen
Das Werk macht Abraham zu seinem Erzähler, ist aber keine Schrift des Patriarchen. George H. Box setzt seine wahrscheinliche Abfassung zwischen das späte erste und das frühe zweite Jahrhundert n. Chr., weil die Vision die Zerstörung des Tempels in Jerusalem beklagt. Der Text ist im Altkirchenslawischen erhalten; Box vermutet ein hebräisches oder aramäisches Original und eine verlorene griechische Stufe. Diese Stufen sind Hypothesen, keine erhaltenen Handschriften.
Aufbau der 32 Kapitel
Die Kapitel 1–8 erzählen von Abrahams Bruch mit den Götzen seines Vaters Tharah. In 9–14 ruft ihn eine Stimme, und der Engel Iaoel leitet ihn an, ein Opfer darzubringen; Azazel greift in der Nähe der Vögel ein. Der Aufstieg, der Lobpreis und die himmlische Schau füllen 15–23. In 24–32 sieht Abraham das Geschick seiner Nachkommen, die Entweihung des Heiligtums, das Gericht und die verheißene Befreiung.
Themen und Schlüsselstellen
Das zerbrochene Steinidol in 1 und das vom Feuer verzehrte hölzerne Götzenbild in 5–6 verleihen der Kritik an den von Menschenhand gemachten Göttern eine greifbare Gestalt. Der Befehl, die Heimat zu verlassen, in 8 trennt Abraham vom Kult Tharahs. Die Begegnung mit Azazel in 13–14 geht dem Blick auf Schöpfung und Menschheit in 19–23 voraus. Der geplünderte Tempel in 27 stellt der Offenbarung eine geschichtliche Frage: Warum leidet das auserwählte Volk? Das Ende spricht von Gericht und von der Sammlung der Zerstreuten, ohne das beschriebene Leiden zu tilgen.
Zusammenfassung nach Abschnitten
1–8: Bei der Arbeit an den Götzen seines Vaters sieht Abraham, wie eines fällt, ein anderes versinkt und ein drittes verbrennt. Er fordert Tharah über die Macht dieser Bilder heraus; eine Stimme heißt ihn fortgehen, und das Haus wird verzehrt.
9–23: Iaoel stärkt Abraham und bringt ihn auf den Berg. Nach dem Opfer und dem Streit mit Azazel hört der Patriarch Lobpreis, sieht den Thron und empfängt eine Vision von der Schöpfung, vom Fall und von den Anteilen der Menschheit.
24–32: Die Vision wendet sich dem Heiligtum und der Gewalt gegen Abrahams Nachkommen zu. Er fragt, wie lange diese Herrschaft dauern werde; die Antwort kündigt Strafen, eine erwählte Gestalt und künftige Befreiung an. Kapitel 32 kehrt zur Verheißung der Befreiung aus fremder Knechtschaft zurück.
Rezeption und slawische Überlieferung
Box nennt mehrere slawische Handschriften und hebt den Sylvester-Kodex aus dem vierzehnten Jahrhundert als frühen Zeugen hervor. Er erörtert auch mögliche Anklänge in altchristlichen Schriften, warnt aber, dass einige Zuordnungen unsicher seien. Das erhaltene Material erlaubt es, eine jüdische Offenbarung zu lesen, die in christlichen Kreisen überliefert und bisweilen bearbeitet wurde; es erweist Abraham nicht als ihren geschichtlichen Verfasser.
Quellen
- George H. Box e J. I. Landsman, The Apocalypse of Abraham (1918).