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Verfasserschaft, Datierung und Umfeld
Die Apokalypse des Mose ist der wichtigste griechische Textzeuge des umfangreichen antiken pseudepigraphischen Zyklus, der als Leben Adams und Evas bekannt ist. Ihren üblichen Titel erhielt sie von Konstantin von Tischendorf in seiner Ausgabe von 1866, abgeleitet vom Incipit, wonach die Geschichte Mose durch den Erzengel Michael am Sinai offenbart wurde. Gelehrte wie R. H. Charles und L. S. A. Wells setzen die Kernabfassung im Palästina des ersten Jahrhunderts an und vertreten ein zugrunde liegendes semitisches Original in Hebräisch oder Aramäisch.
Die Abhandlung gehört zur haggadischen Erzählkunst des späten Zweiten Tempels und soll den knappen Bericht der Genesis (1. Mose) ausbauen, indem sie den Ursprung körperlicher Krankheit, die Wirklichkeit dämonischer Versuchung und die heiligen Bestattungsvorschriften erklärt.
Aufbau
Die Erzählung umfasst nach dem von Tischendorf und Charles festgelegten Standardtext genau dreiundvierzig Kapitel, die in vier in sich geschlossene thematische Abschnitte gegliedert sind.
Die Kapitel 1 bis 4 beschreiben das Hirtenleben außerhalb Edens, Evas unheilvollen Traum, den Brudermord an Abel und die Geburt Sets. Die Kapitel 5 bis 14 schildern Adams Todeskrankheit im Alter von 930 Jahren, die Gesandtschaft Evas und Sets zu den Toren Edens um das Öl der Barmherzigkeit, ihre Begegnung mit einem trotzigen Tier und Michaels Weigerung. Die Kapitel 15 bis 30 bilden Evas eigenes Zeugnis aus erster Hand über den Betrug der Schlange, das Gift der Lust, den Verlust der himmlischen Gewänder, das göttliche Urteil und die Gabe wohlriechender Räucherwerke. Die Kapitel 31 bis 43 erzählen von Adams Hinscheiden, der Trauer von Sonne und Mond am Himmel, Adams Reinigung im Acherusischen See, der Bestattung Adams und Abels durch Engel und Evas entsprechendem Tod.
Themen und Schlüsselstellen
Zu den hervortretenden Motiven zählen die Tragik der leiblichen Sterblichkeit, die sittliche Verantwortung des Menschen, das liturgische Eingreifen der Engel und das feierliche Versprechen der leiblichen Auferstehung am Ende der Zeiten. Der Bruch der irdischen Harmonie wird dadurch unterstrichen, dass die Tierwelt Set angreift.
Am Grab tröstet Gott den von der Erde genommenen Vater in Kapitel einundvierzig: „Abermals verheiße ich dir die Auferstehung; ich werde dich in der Auferstehung mit jedem Menschen aus deinem Samen auferwecken.“
Zusammenfassung nach Abschnitten
Die ersten Generationen und die Trauer (Kapitel 1-4): Östlich des Paradieses wohnend, träumt Eva, wie Kain das Blut Abels verschlingt. Nach dem Verbrechen tröstet Gott Adam mit der Geburt Sets als gerechtem Ersatz.
Adams Krankheit und das unerreichbare Öl (Kapitel 5-14): Im hohen Alter von zweiundsiebzig Leiden befallen, schickt Adam Set und Eva, um vom Baum des Lebens heilendes Öl zu erbitten. Der Erzengel Michael verkündet, das Öl gehöre allein zur Auferstehung allen heiligen Fleisches am Ende der Zeit.
Evas Bericht vom Sündenfall (Kapitel 15-30): Eva wendet sich an ihre Nachkommen und erzählt, wie der Teufel sich mit der Schlange verschwor, während die Schutzengel aufstiegen, um Gott zu loben. Zum Kosten der vergifteten Frucht verführt, wurden beide Eltern ihrer Herrlichkeit beraubt, in die Mühsal vertrieben und durften nur vier wohlriechende Gewürze behalten.
Aufstieg der Seele und heilige Bestattung (Kapitel 31-43): Als Adam verscheidet, sieht Set himmlische Wagen und erlebt, wie Sonne und Mond in ehrfürchtigem Staunen vor Gott verfinstert werden. Adams Seele wird im Acherusischen See gereinigt und in den dritten Himmel versetzt; Engel bestatten seinen Leib zusammen mit Abel, und Eva stirbt sechs Tage später.
Rezeption
Der griechische Text ist in wichtigen mittelalterlichen Handschriften überliefert, namentlich Marcianus graecus II 42 (dreizehntes Jahrhundert, Venedig), Vindobonensis Theol. Graec. 247 (Wien) und Ambrosianus C 237 Inf (Mailand). Tischendorf veröffentlichte die Editio princeps 1866 in Leipzig in Apocalypses Apocryphae.
Obwohl sie von den jüdischen rabbinischen Autoritäten und von christlichen Synoden aus dem kanonischen Schrifttum ausgeschlossen wurde, beeinflusste die Schrift die christliche apokryphe Literatur, die lateinische Vita Adae et Evae und frühislamische Überlieferungen über den himmlischen Ursprung und den Fall Adams tief.
Quellen
- R. H. Charles; L. S. A. Wells, The Apocalypse of Moses (The Apocrypha and Pseudepigrapha of the Old Testament, Vol. 2) (1913).
- George Foot Moore; Crawford Howell Toy, Apocrypha: Books of the Antediluvians (The Jewish Encyclopedia) (1901).