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Verfasserschaft, Datierung und Hintergrund
Das Testament Jakobs ist ein frühchristliches apokryphes und pseudepigraphes Testamentswerk, das formal dem biblischen Patriarchen Jakob (Israel) zugeschrieben wird, als dieser in Ägypten dem nahen Tod entgegensieht. Die moderne Forschung hält das Werk für anonym; es ist als abschließender Teil einer patriarchalen Trilogie neben dem Testament Abrahams und dem Testament Isaaks verfasst und hängt unmittelbar von den literarischen und theologischen Vorbildern beider vorangehender Schriften ab.
Möglicherweise geht es auf einen älteren hellenistisch-jüdischen griechischen Kern zurück, der im zweiten oder dritten Jahrhundert n. Chr. als midraschartige Ausgestaltung von Genesis 47:29-50:26 verfasst wurde; der Text überlebte jedoch in einer zusammengefassten christlichen koptischen Rezension aus der Zeit zwischen dem dritten und fünften Jahrhundert n. Chr. in Ägypten und ist in bohairisch-koptischen, arabischen und äthiopischen Fassungen erhalten. Der geschichtliche Hintergrund spiegelt mönchische und liturgische Kreise im christlichen Ägypten, die um das jährliche Fest der drei heiligen Patriarchen am achtundzwanzigsten Tag des koptischen Monats Mesori (Mesir) kreisen. Anders als Abraham im Testament Abrahams, der sich dem Tod heftig widersetzt, nimmt Jakob den göttlichen Beschluss bereitwillig und gehorsam an, ordnet sein Haus und unterweist seine Kinder in Bundestreue und Gerechtigkeit.
Aufbau
In der maßgeblichen kritischen englischen Einteilung, die in Stinesprings Übersetzung für die Pseudepigraphen-Bände von Charlesworth verwendet wird, umfasst das Werk sieben fortlaufend nummerierte Kapitel.
Der Erzählaufbau entfaltet sich in vier aufeinanderfolgenden thematischen Abschnitten: die Todesankündigung durch den Erzengel Michael und Jakobs bereitwillige Unterwerfung (Kapitel 1); der Patriarch, der sein weinendes Haus tröstet und sich an siebzehn Jahre des Friedens mit Josef in Ägypten erinnert (Kapitel 2); der feierliche Eid, den Josef bezüglich der Bestattung in Kanaan bei seinen Vorfahren leisten muss (Kapitel 3); der prophetische Segen über Ephraim und Manasse mit gekreuzten Händen (Kapitel 4); die testamentarischen Weisungen an die zwölf Söhne, die Schau jenseitiger Qualen für die Sünder und die himmlische Auffahrt ins Paradies (Kapitel 5); Jakobs friedlicher Tod, die Landestrauer Ägyptens und der königliche Trauerzug nach Machpela (Kapitel 6); und eine abschließende homiletische Ermahnung an die Gemeinde zu Gastfreundschaft, Fasten, Gebet und Almosengeben (Kapitel 7).
Themen und Schlüsselstellen
Die vorherrschenden theologischen Themen betonen die gelassene Hinnahme des leiblichen Todes als eines von Gott verordneten natürlichen Übergangs, die unerschütterliche Treue zum verheißenen Land, die in der Bestattung in der Familienhöhle von Machpela zum Ausdruck kommt, und die jenseitige sittliche Vergeltung. Die Erzählung stellt die schweren Qualen der unbußfertigen Sünder der ewigen Freude gegenüber, die für die Gerechten im Paradies bereitet ist, und stellt tätige Gastfreundschaft und Barmherzigkeit gegenüber den Bedürftigen als unverzichtbare religiöse Tugenden dar.
Zu den bemerkenswerten Erzählstellen gehören Jakobs herzliche Begegnung mit Michael, der sich als der Schutzengel zu erkennen gibt, der seit Jakobs Kindheit über ihn gewacht hat (Kapitel 1); das inspirierte Kreuzen der Hände, das den jüngeren Enkel Ephraim dem erstgeborenen Manasse vorzieht (Kapitel 4); und die beseligende himmlische Schau, in der Jakob Abraham und Isaak in ewiger Freude strahlend an den himmlischen Ruheorten sieht (Kapitel 5).
Zusammenfassung nach Abschnitten
Die Botschaft des Engels Michael und Jakobs Unterwerfung (Kapitel 1): Als Jakob das Alter von einhundertsiebenundvierzig Jahren erreicht, sendet Gott den Erzengel Michael, um ihm sein bevorstehendes Ende mitzuteilen und ihn zu Abraham und Isaak zu rufen; Jakob nimmt die göttliche Botschaft mit frommer Ehrfurcht auf, preist Gottes Barmherzigkeit und zeigt keinerlei Widerstreben, dieses irdische Dasein zu verlassen.
Trost für das Haus und Erinnerung an den fürsorglichen Frieden (Kapitel 2): Als sie vom nahenden Tod des Patriarchen erfahren, weinen seine Söhne und Verwandten laut in großer Bedrängnis; Jakob versammelt seine Familie an seinem Bett und tröstet sie, indem er daran erinnert, wie Gott ihnen siebzehn Jahre sicheren Wohnens in Ägypten unter Josefs Schutz gewährte, und verheißt, dass Gottes Gegenwart ihre Nachkommen nie verlassen werde.
Josefs Eid und die Anweisungen zur Bestattung bei den Vorfahren (Kapitel 3): Jakob ruft Josef allein zu sich und nimmt ihm einen feierlichen Eid ab, ihn nicht in Ägypten zu begraben, sondern seine Gebeine in das Land Kanaan zu bringen, damit sie neben Abraham und Isaak in der Höhle von Machpela ruhen; er ermahnt seine Nachkommen, dem wahren Gott anzuhangen, heidnische Befleckung zu meiden und brüderlichen Frieden zu halten.
Der prophetische Segen über Ephraim und Manasse (Kapitel 4): Josef bringt seine beiden in Ägypten geborenen Söhne vor das Bett seines Vaters; trotz seiner schwindenden Sehkraft kreuzt Jakob bewusst seine Arme, legt die rechte Hand auf den Kopf des jüngeren Bruders Ephraim und die linke auf den älteren Manasse; als Josef seine Hände zurechtrücken will, beharrt Jakob darauf, dass die göttliche Weisheit ihn leite, und kündigt Ephraims überlegenes Geschick an.
Das prophetische Testament und die himmlische Schau des Paradieses (Kapitel 5): Jakob ruft seine zwölf Söhne zusammen und offenbart das künftige Geschick der zwölf Stämme Israels; danach von Engelführern entrückt, sieht Jakob die unterirdischen Bereiche, in denen die bösen Seelen Strafen nach ihren Sünden erleiden, bevor er in die himmlische Sphäre aufsteigt, wo er Abraham und Isaak von Licht und seliger Freude umgeben im Paradies sieht.
Friedlicher Tod und der Trauerzug nach Kanaan (Kapitel 6): Nach Abschluss seiner Segnungen zieht Jakob seine Füße ins Bett und gibt seinen Geist in die Hände Michaels und Gabriels; der Pharao und sein Hof rufen siebzig Tage Staatstrauer aus und senden ein prächtiges Gefolge von Wagen, um die Söhne Israels durch die Wüste nach Machpela zu geleiten, wo Jakob mit hohen Ehren bestattet wird, ehe Josef zurückkehrt, um Ägypten zu regieren.
Abschließende Paränese über Heiligkeit, Gebet und Almosen (Kapitel 7): Der Verfasser beschließt die Abhandlung mit einer eindringlichen Ermahnung an die Gläubigen, Jakobs Sanftmut, Frömmigkeit und Gastfreundschaft nachzuahmen; er gebietet beständiges Gebet, heiliges Fasten und neidlose Wohltätigkeit gegenüber Witwen und Armen und erinnert die Leser daran, dass Liebe und Barmherzigkeit die Seele auf den Eintritt in das ewige Reich Christi vorbereiten.
Rezeption
Sowohl im rabbinischen Judentum als auch in den klassischen westlichen und byzantinischen christlichen Kanones wurde das Testament Jakobs aus der kanonischen Schrift ausgeschlossen und blieb unter den Pseudepigraphen des Alten Testaments eingeordnet. Dennoch wurde das Werk in den östlichen christlichen Gemeinschaften, besonders in Ägypten und Äthiopien, geschätzt und bewahrt; es findet Widerhall in antiken Nachrichten wie den Apostolischen Konstitutionen (VI, 16), die apokryphe Bücher der drei Patriarchen erwähnen, und wurde am achtundzwanzigsten Tag des Monats Mesori liturgisch gelesen.
Die Textbewahrung beruht auf koptisch-bohairischen Handschriften (herausgegeben von Ignazio Guidi im Jahr 1900 und von K. H. Kuhn im Jahr 1957), gestützt auf christlich-arabische und äthiopische Fassungen sowie auf eine griechische Abschrift des zwölften Jahrhunderts in Paris (BNF) und einen armenischen Zeugen in Jerusalem (MS 939). Die maßgebliche moderne kritische englische Übersetzung findet sich in Band 1 (1983) der von Charlesworth herausgegebenen Pseudepigraphen-Sammlung.
Quellen
- Peter Kirby; James H. Charlesworth, Testament of Jacob (Early Jewish Writings) (2013).
- Michael E. Stone, Jacob, Testament of (Encyclopaedia Judaica) (2008).