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Verfasserschaft, Datierung und Hintergrund
Das Testament Isaaks ist ein pseudepigraphes Testament, das zum patriarchalen Zyklus um Abraham, Isaak und Jakob gehört. Die früheste Form des Werkes wurde wahrscheinlich um das zweite Jahrhundert n. Chr. von einem hellenistisch-jüdischen Verfasser in Koine-Griechisch im römischen Ägypten abgefasst, nach dem Vorbild des Testaments Abrahams, und durchlief danach zwischen dem dritten und fünften Jahrhundert n. Chr. eine gründliche Bearbeitung und Weitergabe im ägyptisch-koptischen Mönchtum.
Die wissenschaftlichen Meinungen über Herkunft und Zeitstellung gehen auseinander: Während William F. Stinespring und Mathias Delcor einen jüdischen Kern des zweiten Jahrhunderts mit späteren christlichen Zusätzen vertreten, betonen Karl Heinz Kuhn und Peter Nagel das besondere koptische literarische Umfeld der erhaltenen sahidischen und bohairischen Handschriften um 400 n. Chr. und zeigen, dass das Dokument in seiner überlieferten Form als liturgische Lesung für das koptische Fest Isaaks diente.
Aufbau
In den kritischen Ausgaben von K. H. Kuhn und W. F. Stinespring (in James H. Charlesworths The Old Testament Pseudepigrapha) gliedert sich das Werk in genau acht Kapitel.
Der Erzählverlauf ist in vier deutlich unterschiedene Abschnitte gegliedert: Die Kapitel 1 bis 3 enthalten den Prolog des patriarchalen Testaments, den Besuch des Engels Michael und das Abschiedsgespräch zwischen Isaak und seinem Sohn Jakob; Kapitel 4 bietet ausführliche ethische und priesterliche Unterweisungen an das versammelte Volk und die Priesterschaft; die Kapitel 5 bis 7 schildern Isaaks Himmelsreise, seine Schau der höllischen Qualen, sein Wiedersehen mit Abraham vor dem Thron Gottes und den Auszug seiner Seele; und Kapitel 8 enthält liturgische Anweisungen für das jährliche Fest am 28. Tag des koptischen Monats Misri.
Themen und Schlüsselstellen
Zu den Hauptmotiven gehören die Heiligkeit des Leibes und die Keuschheit (verstanden als Tempel des Heiligen Geistes), die geistliche Kraft von Fasten und Gebet, die Wirksamkeit der patriarchalen Fürbitte für reuige Sünder und die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes gegenüber bußfertigen Ausgestoßenen.
Kapitel 8 enthält die zentrale Gedenkverheißung: ‚Jeder Mensch, der im Namen meines geliebten Isaak Barmherzigkeit erwiesen hat, siehe, den werde ich dir im Himmelreich geben, und er wird bei ihnen sein im ersten Augenblick des tausendjährigen Mahles, um mit ihnen im ewigen Licht im Reich unseres Meisters und unseres Gottes und unseres Königs und unseres Erlösers, Jesus, des Messias, zu feiern.‘
Zusammenfassung nach Abschnitten
Die Versammlung zum Testament und Michaels Besuch (Kapitel 1-2): Am Ende seines irdischen Lebens versammelt Isaak sein Haus und lehrt, dass Reinheit des Herzens Voraussetzung ist, um das Reich Gottes zu erben; der Erzengel Michael erscheint in strahlender Herrlichkeit, tröstet Isaak und verheißt Jakob fortwährenden göttlichen Schutz.
Abschiedsreden mit Jakob (Kapitel 3): Jakob weint über den bevorstehenden Tod seines Vaters und bittet, mit ihm zu sterben; Isaak erklärt die unabänderliche Sterblichkeit, die allem Fleisch zugewiesen ist, und fügt Weissagungen über den Samen der Patriarchen und die jungfräuliche Geburt des Messias ein.
Predigt über Reinheit und priesterliche Pflichten (Kapitel 4): Vor der Menge und den Priestern, die in seinem Haus versammelt sind, hält Isaak ausführliche sittliche Ermahnungen: Er gebietet beständige leibliche Reinheit, tadelt Zorn, üble Nachrede und Habgier und fordert von den Dienern am Altar makellose rituelle Lauterkeit.
Die Himmelsreise und Abdemerouchos (Kapitel 5): Von einem Engel als Führer in himmlische Regionen getragen, sieht Isaak die flammenden Ströme der Unterwelt, in denen die ungerechten Seelen vergeltendes Leiden erdulden, und beobachtet den grimmigen Strafengel Abdemerouchos, der die Züchtigung der Gottlosen beaufsichtigt.
Anbetung vor dem göttlichen Thron und Tod (Kapitel 6-7): Im höchsten Himmel schließt sich Isaak Abraham an, um vor dem göttlichen Wagen anzubeten; Gott verheißt Rettung allen, die Isaaks gedenken und den Armen barmherzige Werke tun; die Seele Isaaks, strahlend wie Schnee, wird in Gottes Wagen aufgenommen und ins Paradies getragen.
Das liturgische Gedenken an Misri (Kapitel 8): Es schildert das feierliche Begräbnis Isaaks neben Abraham in der Höhle von Hebron, setzt den 28. Tag des Monats Misri als ewiges Fest ein und versichert, dass treue Fürbitter am tausendjährigen Mahl teilnehmen werden.
Rezeption
Obwohl das Testament Isaaks aus den kanonischen Sammlungen und den üblichen patristischen Apokryphenlisten des griechischen und lateinischen Westens ausgeschlossen war, wurde es in den östlichen christlichen Traditionen verehrt, besonders in der koptisch-orthodoxen und der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche, wo es bei den jährlichen Gedenkfeiern der Patriarchen liturgisch gelesen wurde.
Der Text ist hauptsächlich in sahidischen und bohairischen koptischen Handschriften überliefert, daneben in arabischen und klassisch-äthiopischen (Ge'ez) Übersetzungen. Die wissenschaftliche Beachtung begann 1892 mit Montague Rhodes James (der arabische Auszüge in der Übersetzung von W. E. Barnes in The Testament of Abraham veröffentlichte), gefolgt von K. H. Kuhns sahidischer Ausgabe von 1957 und William F. Stinesprings umfassender Übersetzung mit Kommentar in The Old Testament Pseudepigrapha (1983).
Quellen
- James H. Charlesworth, The Pseudepigrapha and Modern Research (with New Supplement) (1981).
- William F. Stinespring, Testament of Isaac (The Old Testament Pseudepigrapha, Vol. 1) (1983).
- Montague Rhodes James, The Testament of Abraham (with Appendix on the Testaments of Isaac and Jacob) (1892).