LUX VERITAS

Schriften und Handschriften

← Bibel
Apokryphen

Drittes Buch von Adam und Eva

25 Kapitel

Von Noah bis Nimrod

Lesehinweis

Dritter Teil des äthiopischen und arabischen Zyklus vom Kampf Adams und Evas mit Satan, der die Geschichte von Noah bis Nimrod verfolgt.

Englischer Text: The Book of Adam and Eve, livro III (1882), S. C. Malan, 1882 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.

Quelle: The Book of Adam and Eve, livro III (1882), S. C. Malan (1882) · gemeinfrei

Das Buch kennenlernen: Kontext, Verfasserschaft und Themen ↓

Diese Studie anhören

 

Verfasserschaft, Datierung und Zusammenhang

Das Dritte Buch von Adam und Eva bildet den dritten großen Teil des ostchristlichen Erzählzyklus, der als „Der Kampf Adams und Evas mit Satan“ bekannt ist (Gadla Adama wa-Hewan im klassischen Ge'ez). Orientalistische Philologen wie Ernest Trumpp, August Dillmann und Solomon Caesar Malan stellten fest, dass die erhaltene äthiopische Fassung aus einer älteren christlich-arabischen Vorlage übersetzt wurde, die um das fünfte oder sechste Jahrhundert n. Chr. in Ägypten verfasst wurde und der syrischen Schatzhöhle eng verwandt ist.

Der anonyme Redaktor arbeitete in einem ägyptischen oder abessinischen Klostermilieu und gestaltete die biblische Urgeschichte so, dass die ununterbrochene genealogische Kette von den Gebeinen Adams bis zum Priestertum Melchisedeks und zum kommenden Messias hervortritt.

Aufbau

Dieses dritte Buch umfasst fünfundzwanzig Kapitel nach der Standardfolge, wie sie in der Forschung Malans und Trumpps im neunzehnten Jahrhundert veröffentlicht wurde.

Die Kapitel 1 bis 5 erzählen von Noahs Standhaftigkeit auf dem Heiligen Berg, vom sittlichen Verfall der Nachkommen Sets, die sich mit den Töchtern Kains verbinden, vom Tod Lamechs und Methusalahs sowie vom göttlichen Auftrag, die Arche zu bauen. Die Kapitel 6 bis 12 berichten von der feierlichen Überführung des Leibes Adams aus der Schatzhöhle in das Schiff, von der Sintflut und vom Opfer nach der Flut. Die Kapitel 13 bis 17 schildern die Aufteilung der Gebiete unter den Söhnen Noahs und die nächtliche Reise von Sem und Melchisedek, um Adam auf Golgatha zu bestatten. Die Kapitel 18 bis 25 zeigen den fortdauernden Dienst Melchisedeks mit Brot und Wein, die Zerstreuung der Völker, den Ursprung des Götzendienstes unter Serug und die Götzenwerkstatt Tharahs.

Themen und Schlüsselstellen

Die theologische Gesamtschau hebt Golgatha als kosmischen Mittelpunkt der Erde hervor, wo der Schädel des ersten Menschen unmittelbar unter dem Kreuz des Erlösers ruht; ferner die Arche als Vorbild der Rettung und die unblutige Liturgie Melchisedeks als Vorausbild der christlichen Eucharistie.

Bei der Bestattung der Gebeine des Patriarchen in Kapitel siebzehn lautet die Anweisung an Noah in Malans Übersetzung: „Melchisedek soll auf jenem Berg, der in der Mitte der Erde liegt, dienend stehen vor dem Leib unseres Vaters Adam für immer.“

Zusammenfassung nach Abschnitten

Noah und der Bau der Arche (Kapitel 1–5): Noah widersteht der um sich greifenden Weltlichkeit und gehorcht den göttlichen Warnungen, während das vorsintflutliche Geschlecht in Zauberei versinkt; nach dem Tod Methusalahs baut Noah das dreistöckige Schiff, um das Leben zu retten.

Die Sintflut und die Reliquie Adams (Kapitel 6–12): Der einbalsamierte Leib Adams wird aus der Höhle der Vorfahren zusammen mit Schätzen von Gold und Weihrauch in die Arche gebracht; verheerende Quellen überfluten alle Berge, bis sich die Wasser auf dem Berg Qardu verlaufen.

Die Überführung nach Golgatha und die heilige Weihe (Kapitel 13–17): Von einem Engel geleitet, tragen Sem und der junge Melchisedek den Leichnam Adams heimlich zum Schädelhügel; die Erde öffnet sich, um den Sarg aufzunehmen, und Melchisedek bleibt als ewiger Priester des Heiligtums.

Genealogien und die Geburt des Götzendienstes (Kapitel 18–25): Die Generationen nach der Flut vermehren sich von Arphaxad bis Peleg; unter der Herrschaft Serugs erfinden die Menschen geschnitzte Bilder verstorbener Helden, was in den weit verbreiteten Polytheismus von Ur zur Kindheit Abrahams mündet.

Rezeption

Das Werk wurde in der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche verehrt und in den Skriptorien der Klöster vielfach als echtes geschichtliches Zeugnis der patriarchalischen Abfolge gelesen. Es wurde nie in den jüdisch-rabbinischen oder in die westlichen biblischen Kanones aufgenommen.

Ernest Trumpp veröffentlichte den äthiopischen Text 1880 in München unter dem Titel Der Kampf Adams, gefolgt 1882 von der bahnbrechenden englischen Übersetzung Solomon Caesar Malans mit umfangreichen vergleichenden patristischen Anmerkungen.

Quellen

↑ Zurück zu den Kapiteln