Erstes Buch von Adam und Eva · Kapitel 68
Da sah Gott auf Adam und Eva und auf das, was über sie durch Satan gekommen war und wie er sie hatte umkommen lassen.
2Gott sandte deshalb sein Wort und richtete Adam und Eva aus ihrem Todeszustand auf.
3Da sprach Adam, als er aufgerichtet war: „O Gott, du hast das Korn verbrannt, das du uns gegeben hast, und du hast den Wassereimer ausgegossen. Und du hast deine Engel gesandt, die uns vom Kornfeld abirren ließen. Willst du uns vernichten? Wenn dies von dir kommt, o Gott, dann nimm unsere Seelen; aber bestrafe uns nicht.“
4Da sprach Gott zu Adam: „Ich habe den Weizen nicht verbrannt, und ich habe das Wasser nicht aus dem Eimer geschüttet, und ich habe meine Engel nicht gesandt, um euch irrezuführen.
5Sondern es ist Satan, dein Herr, der es getan hat; er, dem du dich unterworfen hast, während mein Gebot beiseite gesetzt war. Er ist es, der das Korn verbrannt, das Wasser ausgegossen und euch irregeführt hat; und alle Versprechen, die er dir gegeben hat, waren nur eine List, eine Täuschung und eine Lüge.
6Doch nun, o Adam, sollst du anerkennen, was ich an dir Gutes getan habe.“
7Und Gott befahl seinen Engeln, Adam und Eva zu nehmen und sie zum Weizenfeld hinaufzutragen, das sie wie zuvor fanden, mit dem Eimer voll Wasser.
8Dort sahen sie einen Baum, und sie fanden an ihm festes Manna; und sie wunderten sich über Gottes Macht. Und die Engel geboten ihnen, von dem Manna zu essen, wenn sie hungrig waren.
9Und Gott verfluchte Satan und ermahnte ihn, nicht wiederzukommen und das Kornfeld zu verwüsten.
10Da nahmen Adam und Eva von dem Korn, machten daraus ein Opfer, nahmen es und opferten es auf dem Berg, dem Ort, wo sie ihr erstes Blutopfer dargebracht hatten.
11Und sie brachten dieses Opfer wieder auf dem Altar dar, den sie am Anfang errichtet hatten. Und sie standen auf, beteten und flehten den Herrn an und sprachen: „So, o Gott, stieg unser Lobpreis zu dir auf, als wir im Garten waren, wie dieses Opfer; und unsere Unschuld stieg zu dir auf wie Weihrauch. Doch nun, o Gott, nimm dieses Opfer von uns an, und weise uns nicht ab, beraubt deines Erbarmens.“
12Da sprach Gott zu Adam und Eva: „Weil ihr dieses Opfer dargebracht und es mir geopfert habt, will ich es zu meinem Fleisch machen, wenn ich auf die Erde komme, um euch zu retten; und ich will bewirken, dass es ständig auf einem Altar geopfert wird, zur Vergebung und zur Barmherzigkeit, für jene, die es in rechter Weise empfangen.“
13Und Gott sandte ein helles Feuer über das Opfer von Adam und Eva und erfüllte es mit Glanz, Gnade und Licht; und der Heilige Geist kam auf jenes Opfer herab.
14Da befahl Gott einem Engel, eine Feuerzange, wie einen Löffel, zu nehmen und damit ein Opfer zu nehmen und zu Adam und Eva zu bringen. Und der Engel tat es, wie Gott ihm befohlen hatte, und bot es ihnen dar.
15Und die Seelen von Adam und Eva wurden erhellt, und ihre Herzen füllten sich mit Freude, Frohsinn und dem Lobpreis Gottes.
16Und Gott sprach zu Adam: „Dies soll dir ein Brauch sein, so zu tun, wenn Bedrängnis und Kummer über dich kommen. Doch deine Befreiung und dein Eintritt in den Garten wird nicht sein, bevor die Tage erfüllt sind, wie zwischen dir und mir vereinbart; wäre es nicht so, würde ich dich aus meiner Barmherzigkeit und meinem Mitleid mit dir zu meinem Garten und zu meiner Gunst zurückbringen, um des Opfers willen, das ihr soeben meinem Namen dargebracht habt.“
17Adam freute sich über diese Worte, die er von Gott hörte; und er und Eva warfen sich vor dem Altar nieder, zu dem sie sich verneigten, und gingen dann zur Schatzhöhle zurück.
18Und dies geschah am Ende des zwölften Tages nach dem achtzigsten Tag, von der Zeit an, da Adam und Eva aus dem Garten gekommen waren.
19Und sie standen die ganze Nacht im Gebet bis zum Morgen; und dann gingen sie aus der Höhle hinaus.
20Da sprach Adam mit freudigem Herzen zu Eva, wegen des Opfers, das sie Gott dargebracht hatten und das von ihm angenommen worden war: „Lass uns dies dreimal in jeder Woche tun, am vierten Tag, dem Mittwoch, am Rüsttag, dem Freitag, und am Sabbat, dem Sonntag, alle Tage unseres Lebens.“
21Und als sie untereinander diese Worte vereinbarten, war Gott mit ihren Gedanken und mit dem Entschluss zufrieden, den jeder von ihnen mit dem anderen gefasst hatte.
22Danach kam das Wort Gottes zu Adam und sprach: „O Adam, du hast im Voraus die Tage bestimmt, an denen die Leiden über mich kommen sollen, wenn ich Fleisch werde; denn es sind der vierte Mittwoch und der Rüsttag Freitag.
23Aber am ersten Tag habe ich alle Dinge geschaffen und die Himmel erhoben. Und durch meine Auferstehung an diesem Tag werde ich wieder Freude schaffen und sie emporheben, die an mich glauben; o Adam, bring dieses Opfer dar, alle Tage deines Lebens.“
24Da zog Gott sein Wort von Adam zurück.
25Adam aber fuhr fort, dieses Opfer so zu bringen, jede Woche dreimal, bis zum Ende von sieben Wochen. Und am ersten Tag, dem fünfzigsten, brachte Adam ein Opfer dar, wie er es gewohnt war, und er und Eva nahmen es und kamen zum Altar vor Gott, wie er sie gelehrt hatte.
Wörter in diesem Kapitel
Was diese Wörter im Original bedeuteten – und wo sie noch vorkommen.
- ChesedחֶסֶדDie liebende Treue dessen, der nicht verlässt; übersetzt als Barmherzigkeit, Güte oder Freundlichkeit.
- GnadeχάριςGunst, die dem gegeben wird, der nichts getan hat, um sie zu verdienen, und sie nicht zurückzahlen kann.
- EmunaאֱמוּנָהGlaube als Festigkeit und Treue, nicht als Meinung über etwas Ungewisses.
- NefeschנֶפֶשׁSeele im Sinn von Kehle, Atem, ganzem Leben, nicht von einem vom Körper losgelösten Geist.
Englischer Text: The Forgotten Books of Eden, The First Book of Adam and Eve (New York: Alpha House), translated by S. C. Malan, Rutherford H. Platt Jr. (ed.), 1926 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.
Quelle: The Forgotten Books of Eden, The First Book of Adam and Eve (New York: Alpha House), translated by S. C. Malan, Rutherford H. Platt Jr. (ed.) (1926) · gemeinfrei