Erstes Buch von Adam und Eva · Kapitel 78
Da sprach Adam zu Eva: „Sieh, die Kinder sind erwachsen; wir müssen daran denken, Frauen für sie zu finden.“
2Da antwortete Eva: „Wie können wir das tun?“
3Da sprach Adam zu ihr: „Wir werden Abels Schwester mit Kain verheiraten und Kains Schwester mit Abel.“
4Eva sprach zu Adam: „Ich mag Kain nicht, denn er ist hartherzig; aber lass sie bei uns bleiben, bis wir dem Herrn ihretwegen geopfert haben.“
5Und Adam sagte nichts mehr.
6Inzwischen kam Satan zu Kain in der Gestalt eines Feldmannes und sprach zu ihm: „Sieh, Adam und Eva haben miteinander über die Heirat von euch beiden beraten; und sie haben beschlossen, Abels Schwester dir zur Frau zu geben und deine Schwester ihm.
7Doch wenn ich dich nicht liebte, hätte ich dir dies nicht gesagt. Wenn du aber meinem Rat folgst und mir gehorchst, werde ich dir an deinem Hochzeitstag schöne Gewänder, Gold und Silber in Fülle bringen, und meine Verwandten werden dich begleiten.“
8Da rief Kain voll Freude: „Wo sind deine Verwandten?“
9Und Satan antwortete: „Meine Verwandten sind in einem Garten im Norden, wohin ich einst deinen Vater Adam bringen wollte; aber er wollte mein Angebot nicht annehmen.
10Du aber, wenn du meine Worte annimmst und nach deiner Hochzeit zu mir kommst, wirst du dich ausruhen von dem Elend, in dem du bist; und du wirst ruhen und es besser haben als dein Vater Adam.“
11Bei diesen Worten Satans öffnete Kain seine Ohren und neigte sich seiner Rede zu.
12Und er blieb nicht auf dem Feld, sondern ging zu Eva, seiner Mutter, schlug sie und verfluchte sie und sprach zu ihr: „Warum planst du, meine Schwester zu nehmen und sie meinem Bruder zur Frau zu geben? Bin ich denn tot?“
13Seine Mutter aber beruhigte ihn und schickte ihn auf das Feld zurück, wo er gewesen war.
14Als dann Adam kam, erzählte sie ihm, was Kain getan hatte.
15Da trauerte Adam und schwieg und sagte kein Wort.
16Am nächsten Morgen sprach Adam zu seinem Sohn Kain: „Nimm von deinen Schafen, junge und gute, und opfere sie deinem Gott; und ich werde mit deinem Bruder reden, damit er seinem Gott ein Opfer aus Korn bringt.“
17Sie gehorchten beide ihrem Vater Adam, nahmen ihre Opfer und brachten sie auf dem Berg bei dem Altar dar.
18Kain aber benahm sich hochmütig gegen seinen Bruder, stieß ihn vom Altar und ließ ihn seine Gabe nicht auf dem Altar darbringen; er legte aber seine eigene darauf, mit stolzem Herzen, voller List und Betrug.
19Abel aber stellte Steine auf, die in der Nähe lagen, und darauf brachte er seine Gabe dar, mit demütigem Herzen und frei von List.
20Kain stand dann bei dem Altar, auf dem er seine Gabe dargebracht hatte; und er rief zu Gott, dass er sein Opfer annehme; aber Gott nahm es nicht von ihm an, und es kam auch kein göttliches Feuer herab, um sein Opfer zu verzehren.
21Er blieb aber gegenüber dem Altar stehen, voll Verdruss und Gehässigkeit, und sah auf seinen Bruder Abel, um zu sehen, ob Gott sein Opfer annehmen würde oder nicht.
22Und Abel betete zu Gott, dass er sein Opfer annehme. Da kam ein göttliches Feuer herab und verzehrte sein Opfer. Und Gott roch den süßen Duft seines Opfers; denn Abel liebte ihn und freute sich an ihm.
23Und weil Gott an ihm Wohlgefallen hatte, sandte er ihm einen Engel des Lichtes in Gestalt eines Mannes, der von seinem Opfer gegessen hatte, weil er den süßen Duft seines Opfers gerochen hatte; und sie trösteten Abel und stärkten sein Herz.
24Kain aber sah all dies, was bei dem Opfer seines Bruders geschah, und war zornig darüber.
25Da tat er den Mund auf und lästerte Gott, weil er sein Opfer nicht angenommen hatte.
26Da sprach Gott zu Kain: „Warum siehst du traurig aus? Sei gerecht, damit ich dein Opfer annehme. Nicht gegen mich hast du gemurrt, sondern gegen dich selbst.“
27Und Gott sagte dies zu Kain zur Zurechtweisung, und weil er ihn und sein Opfer verabscheute.
28Kain stieg vom Altar herab, seine Farbe verändert und mit traurigem Gesicht, und kam zu seinem Vater und seiner Mutter und erzählte ihnen alles, was ihm widerfahren war. Und Adam trauerte sehr, weil Gott Kains Opfer nicht angenommen hatte.
29Abel aber kam fröhlich und mit frohem Herzen herab und erzählte seinem Vater und seiner Mutter, wie Gott sein Opfer angenommen hatte. Und sie freuten sich darüber und küssten sein Gesicht.
30Da sagte Abel zu seinem Vater: „Weil Kain mich vom Altar gestoßen und mir nicht erlaubt hat, meine Gabe darauf zu opfern, habe ich mir selbst einen Altar gemacht und meine Gabe darauf geopfert.“
31Als Adam dies hörte, war er sehr betrübt, denn es war der Altar, den er am Anfang errichtet hatte, und auf dem er seine eigenen Gaben geopfert hatte.
32Kain aber war so erbittert und so zornig, dass er in das Feld ging, wo Satan zu ihm kam und sprach: „Da dein Bruder Abel bei deinem Vater Adam Zuflucht gefunden hat, weil du ihn vom Altar gestoßen hast, haben sie ihn geküsst und freuen sich über ihn, weit mehr als über dich.“
33Als Kain diese Worte Satans hörte, wurde er mit Wut erfüllt; und er ließ niemanden davon wissen. Doch er lauerte darauf, seinen Bruder zu töten, bis er ihn in die Höhle gebracht hatte, und dann sprach er zu ihm:—
34„O Bruder, das Land ist so schön, und es gibt so schöne und angenehme Bäume darin, reizvoll anzusehen! Doch Bruder, du bist nie einen Tag auf dem Feld gewesen, um dich an diesem Ort zu erfreuen.
35Heute, o mein Bruder, wünsche ich mir sehr, dass du mit mir ins Feld kommst, um dich zu freuen und unsere Felder und unsere Herden zu segnen; denn du bist gerecht, und ich liebe dich sehr, o mein Bruder! Doch du hast dich von mir entfremdet.“
36Da willigte Abel ein, mit seinem Bruder Kain ins Feld zu gehen.
37Doch bevor sie hinausgingen, sprach Kain zu Abel: „Warte auf mich, bis ich einen Stab hole, wegen der wilden Tiere.“
38Da stand Abel wartend in seiner Unschuld. Kain aber, der Vorlaute, holte einen Stab und ging hinaus.
39Und sie begannen, Kain und sein Bruder Abel, auf dem Weg zu gehen; Kain redete mit ihm und tröstete ihn, um ihn alles vergessen zu machen.
Wörter in diesem Kapitel
Was diese Wörter im Original bedeuteten – und wo sie noch vorkommen.
- ChesedחֶסֶדDie liebende Treue dessen, der nicht verlässt; übersetzt als Barmherzigkeit, Güte oder Freundlichkeit.
- AgapeἀγάπηDie Liebe, die das Gute des anderen beschließt, ohne davon abzuhängen, was man für ihn empfindet.
- ZedakaצְדָקָהGerechtigkeit als richtige Beziehung und im späteren Judentum als Almosen.
Englischer Text: The Forgotten Books of Eden, The First Book of Adam and Eve (New York: Alpha House), translated by S. C. Malan, Rutherford H. Platt Jr. (ed.), 1926 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.
Quelle: The Forgotten Books of Eden, The First Book of Adam and Eve (New York: Alpha House), translated by S. C. Malan, Rutherford H. Platt Jr. (ed.) (1926) · gemeinfrei