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Brief an Diognet · Kapitel 2

Kapitel 2 — Die Nichtigkeit der Götzenbilder.

2Komm also, nachdem du dich von allen Vorurteilen befreit hast, die deinen Geist beherrschen, und abgelegt hast, woran du gewöhnt warst, weil es dich leicht täuschen kann, und, gleichsam von Anfang an, ein neuer Mensch geworden bist, da du nach eigenem Bekenntnis der Hörer einer neuen Lehre sein wirst; komm und betrachte, nicht nur mit deinen Augen, sondern mit deinem Verstand, das Wesen und die Gestalt jener, die ihr als Götter erklärt und dafür haltet.

3Ist nicht einer von ihnen ein Stein, gleich dem, auf dem wir treten? Ist nicht ein zweiter aus Bronze, in nichts besser als jene Gefäße, die für unseren gewöhnlichen Gebrauch hergestellt werden? Ist nicht ein dritter aus Holz, und zwar schon verfault? Ist nicht ein vierter aus Silber, der einen Mann braucht, der ihn bewacht, damit er nicht gestohlen wird? Ist nicht ein fünfter aus Eisen, vom Rost zerfressen? Ist nicht ein sechster aus Ton, in keiner Weise wertvoller als jener, der für die niedrigsten Zwecke geformt wird? Sind nicht alle diese aus vergänglichem Stoff? Sind sie nicht mit Eisen und Feuer angefertigt? Hat nicht der Bildhauer den einen gestaltet, der Erzgießer den zweiten, der Silberschmied den dritten und der Töpfer den vierten? War nicht jeder von ihnen, bevor er durch die Kunst dieser Handwerker die Gestalt dieser Götter erhielt, auf seine Weise dem Wandel unterworfen? Würden nicht jene Dinge, die jetzt Gefäße sind, aus dem gleichen Material gefertigt, jenen gleich werden, wenn sie dieselben Handwerker träfe? Könnten nicht diese, die ihr jetzt anbetet, von Menschen wieder zu ähnlichen Gefäßen gemacht werden? Sind sie nicht alle taub? Sind sie nicht blind? Sind sie nicht ohne Leben? Sind sie nicht ohne Empfindung? Sind sie nicht unfähig, sich zu bewegen? Sind sie nicht alle dem Verfall ausgesetzt? Sind sie nicht alle vergänglich? Diese Dinge nennt ihr Götter; diesen dient ihr; diese betet ihr an; und ihr werdet ihnen völlig gleich.

4Aus diesem Grund hasst ihr die Christen, weil sie diese nicht für Götter halten.

5Verachtet ihr aber nicht selbst, die ihr solche Dinge jetzt für Götter denkt und haltet, sie weit mehr, als es die Christen tun? Verspottet und beschimpft ihr sie nicht viel mehr, wenn ihr jene anbetet, die aus Stein und Ton gemacht sind, ohne ihnen irgendwelche Wächter zu bestellen; jene aber, die aus Silber und Gold sind, schließt ihr bei Nacht ein und stellt Wächter bei Tage auf, damit sie nicht gestohlen werden? Und durch jene Gaben, die ihr ihnen darbringen wollt, bestraft ihr sie nicht, wenn sie Empfindung besitzen, eher, als dass ihr sie ehrt? Wenn sie aber ohne Empfindung sind, überführt ihr sie dieser Tatsache, während ihr sie mit Blut und dem Rauch der Opfer verehrt.

6Möge doch einer von euch solche Schmach erleiden! Möge doch einer von euch dulden, dass dergleichen an ihm selbst geschieht! Aber kein einziger Mensch wird es, wenn er nicht gezwungen wird, ertragen, da er mit Sinn und Vernunft begabt ist.

7Ein Stein dagegen erträgt es bereitwillig, da er ohne Empfindung ist.

8Gewiss zeigst du durch dein Verhalten nicht, dass dein Gott Sinn besitzt.

9Und was die Tatsache betrifft, dass die Christen nicht gewohnt sind, solchen Göttern zu dienen, könnte ich leicht viele andere Dinge sagen; wenn aber schon das Gesagte keinem genügend erscheint, halte ich es für nutzlos, noch weiteres zu sagen.

Englischer Text: Ante-Nicene Fathers, vol. 1, Epistle to Diognetus (1885), Alexander Roberts and James Donaldson, 1885 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.

Quelle: Ante-Nicene Fathers, vol. 1, Epistle to Diognetus (1885), Alexander Roberts and James Donaldson (1885) · gemeinfrei