Erstes Buch von Adam und Eva · Kapitel 70
Danach nahm Satan, der Hasser alles Guten, die Gestalt eines Engels an, und mit ihm zwei andere, so dass sie aussahen wie die drei Engel, die Adam Gold, Weihrauch und Myrrhe gebracht hatten.
2Sie zogen vor Adam und Eva vorüber, während diese unter dem Baum waren, und grüßten Adam und Eva mit schönen Worten, die voll Trug waren.
3Als aber Adam und Eva ihren freundlichen Ausdruck sahen und ihre süße Rede hörten, stand Adam auf, hieß sie willkommen und führte sie zu Eva; und sie blieben alle zusammen. Adams Herz war indessen froh, denn er dachte, dass sie dieselben Engel seien, die ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe gebracht hatten.
4Denn als sie zum ersten Mal zu Adam kamen, war von ihnen Frieden und Freude über ihn gekommen, durch ihr Überbringen guter Zeichen; so meinte Adam, sie seien ein zweites Mal gekommen, um ihm andere Zeichen zu bringen, über die er sich freuen sollte. Denn er wusste nicht, dass es Satan war; darum empfing er sie mit Freude und verkehrte mit ihnen.
5Da sprach Satan, der unter ihnen der Größte war: „Freue dich, o Adam, und sei fröhlich. Sieh, Gott hat uns zu dir gesandt, um dir etwas zu sagen.“
6Und Adam sprach: „Was ist es?“ Da antwortete Satan: „Es ist eine einfache Sache, und doch ist es das Wort Gottes; willst du es von uns annehmen und tun? Wenn du es aber nicht annehmen willst, werden wir zu Gott zurückkehren und ihm sagen, dass du sein Wort nicht angenommen hast.“
7Und Satan sprach wieder zu Adam: „Fürchte dich nicht und zittere nicht; kennst du uns nicht?“
8Doch Adam sprach: „Ich kenne euch nicht.“
9Da sprach Satan zu ihm: „Ich bin der Engel, der dir Gold brachte und es in die Höhle trug; dieser andere Engel ist der, der dir Weihrauch brachte; und jener dritte Engel ist der, der dir Myrrhe brachte, als du auf dem Gipfel des Berges warst, und der dich in die Höhle trug.
10Doch was die anderen Engel, unsere Gefährten, betrifft, die dich in die Höhle getragen haben, so hat Gott sie diesmal nicht mit uns gesandt; denn er sprach zu uns: ‚Ihr werdet genug sein.‘
11Als Adam diese Worte hörte, glaubte er ihnen und sprach zu diesen Engeln: „Sprecht das Wort Gottes, dass ich es annehmen kann.“
12Da sprach Satan zu ihm: „Schwöre und verspricht mir, dass du es annehmen wirst.“
13Da sprach Adam: „Ich weiß nicht, wie man schwört und verspricht.“
14Und Satan sprach zu ihm: „Streck deine Hand aus und lege sie in meine Hand.“
15Da streckte Adam seine Hand aus und legte sie in Satans Hand; und Satan sprach zu ihm: „Sag nun: So wahr Gott lebt, vernünftig und redend, der die Sterne am Himmel hervorgebracht und das trockene Land auf den Wassern gegründet hat und mich aus den vier Elementen und aus dem Staub der Erde erschaffen hat — ich will mein Versprechen nicht brechen und mein Wort nicht zurücknehmen.“
16Und Adam schwor so.
17Da sprach Satan zu ihm: „Sieh, es ist nun eine Weile her, seit du aus dem Garten gekommen bist, und du kennst weder Bosheit noch Böses. Doch nun sagt dir Gott: Nimm Eva, die aus deiner Seite kam, und heirate sie, damit sie dir Kinder gebiert, dich tröstet und dir Kummer und Sorge fernhält; nun, diese Sache ist nicht schwer, und es ist auch kein Skandal für dich darin.
Englischer Text: The Forgotten Books of Eden, The First Book of Adam and Eve (New York: Alpha House), translated by S. C. Malan, Rutherford H. Platt Jr. (ed.), 1926 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.
Quelle: The Forgotten Books of Eden, The First Book of Adam and Eve (New York: Alpha House), translated by S. C. Malan, Rutherford H. Platt Jr. (ed.) (1926) · gemeinfrei