Über das Gebet · Kapitel 17
Wir empfehlen unsere Gebete aber Gott umso mehr, wenn wir mit Bescheidenheit und Demut beten, wobei unsere Hände nicht zu hoch erhoben, sondern maßvoll und angemessen erhoben werden, und auch unser Antlitz nicht allzu dreist emporgehoben wird. Denn jener Zöllner, der mit Demut und Niedergeschlagenheit betete – nicht nur in seiner Bitte, sondern auch in seinem Antlitz –, ging „gerechtfertigter“ heim als der schamlose Pharisäer. Auch die Töne unserer Stimme sollen gedämpft sein; sonst bräuchten wir, wenn wir wegen unseres Lärms erhört werden sollten, wie große Luftröhren! Gott aber hört nicht auf die Stimme, sondern auf das Herz, so wie er es auch prüft. Der Dämon des pythischen Orakels sagt: „Ich verstehe auch den Stummen und höre deutlich den Sprachlosen.“
2Warten etwa die Ohren Gottes auf Schall? Wie hätte sonst das Gebet des Jona aus der Tiefe des Walbauches durch die Eingeweide eines so riesigen Tieres, aus den Abgründen selbst, durch so gewaltige Meeresmassen einen Weg zum Himmel finden können? Welchen überlegenen Vorteil werden die gewinnen, die zu laut beten, außer dass sie ihre Nachbarn belästigen? Ja, indem sie ihre Bitten hörbar machen, begehen sie nicht weniger Fehler, als wenn sie öffentlich beten würden.
Englischer Text: Ante-Nicene Fathers, vol. 3, On Prayer (Buffalo, 1885), S. Thelwall, 1885 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.
Quelle: Ante-Nicene Fathers, vol. 3, On Prayer (Buffalo, 1885), S. Thelwall (1885) · gemeinfrei