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Dormitio Mariae des Johannes · Kapitel 1

Das Buch des Johannes über das Entschlafen Mariens: Die Erzählung des heiligen Johannes, des Theologen, vom Entschlafen der heiligen Mutter Gottes.

2Als die ganz heilige, ruhmreiche Gottesmutter und immerjungfräuliche Maria, wie es ihre Gewohnheit war, zum heiligen Grab unseres Herrn ging, um Weihrauch zu entzünden, und ihre heiligen Knie beugte, flehte sie inständig, dass Christus, unser Gott, der von ihr geboren worden war, zu ihr zurückkehren möge.

3Und die Juden, als sie sahen, dass sie bei dem göttlichen Grab verweilte, gingen zu den Hohenpriestern und sprachen: Maria geht jeden Tag zum Grab.

4Und die Hohenpriester riefen die von ihnen eingesetzten Wächter herbei, damit sie niemandem erlaubten, am heiligen Grab zu beten, und erkundigten sich nach ihr, ob es in Wahrheit so sei.

5Und die Wächter antworteten und sagten, dass sie nichts dergleichen gesehen hätten, da Gott ihnen nicht erlaubt hatte, sie dort zu sehen.

6Und an einem jener Tage, es war der Rüsttag, kam die heilige Maria, wie es ihre Gewohnheit war, zum Grab; und während sie betete, geschah es, dass sich der Himmel öffnete, und der Erzengel Gabriel stieg zu ihr herab und sprach: Sei gegrüßt, du, die du Christus, unseren Gott, geboren hast! Dein Gebet ist bis zu den Himmeln gelangt zu dem, der von dir geboren wurde, und ist angenommen; und von jetzt an wirst du nach deiner Bitte, nachdem du die Welt verlassen hast, zu den himmlischen Orten gehen, zu deinem Sohn, in das wahre und ewige Leben.

7Und nachdem sie dies vom heiligen Erzengel gehört hatte, kehrte sie nach dem heiligen Bethlehem zurück, und sie hatte drei Jungfrauen bei sich, die ihr dienten.

8Und nachdem sie eine kurze Zeit geruht hatte, richtete sie sich auf und sprach zu den Jungfrauen: Bringt mir ein Rauchfass, damit ich bete.

9Und sie brachten es, wie ihnen befohlen worden war.

10Und sie betete und sprach: Mein Herr Jesus Christus, der du durch deine höchste Güte gewürdigt wurdest, von mir geboren zu werden, erhöre meine Stimme und sende mir deinen Apostel Johannes, damit ich, wenn ich ihn sehe, an der Freude teilhabe; und sende mir auch die übrigen deiner Apostel, sowohl jene, die schon zu dir gegangen sind, als auch jene, die in der jetzigen Welt sind, in welchem Land sie auch sein mögen, nach deinem heiligen Gebot, damit ich, wenn ich sie gesehen habe, deinen sehr zu preisenden Namen segne; denn ich bin gewiss, dass du deine Magd in allem erhörst.

11Und während sie betete, kam ich, Johannes; der Heilige Geist hatte mich durch eine Wolke von Ephesus entrückt und an den Ort gesetzt, wo die Mutter meines Herrn lag.

12Und als ich zu ihr hineingegangen war und den verherrlicht hatte, der von ihr geboren war, sprach ich: Sei gegrüßt, Mutter meines Herrn, die du Christus, unseren Gott, geboren hast; freue dich, dass du in großer Herrlichkeit aus diesem Leben scheidest.

13Und die heilige Gottesmutter pries Gott, weil ich, Johannes, zu ihr gekommen war, eingedenk der Stimme des Herrn, der sprach: Siehe, deine Mutter, und: Siehe, dein Sohn.

14Und die drei Jungfrauen kamen und warfen sich nieder.

15Und die heilige Gottesmutter sagt zu mir: Bete und entzünde Weihrauch.

16Und ich betete so: Herr Jesus Christus, der du Wunderbares getan hast, tue nun auch Wunderbares vor ihr, die dich geboren hat; und lass deine Mutter aus diesem Leben scheiden; und lass jene zuschanden werden, die dich gekreuzigt haben und nicht an dich geglaubt haben.

17Und nachdem ich das Gebet beendet hatte, sprach die heilige Maria zu mir: Bringt mir das Rauchfass.

18Und als sie Weihrauch entzündet hatte, sprach sie: Ehre sei dir, mein Gott und mein Herr, denn an mir ist in Erfüllung gegangen, was du mir versprochen hast, bevor du in den Himmel aufstiegst: dass du, wenn ich aus dieser Welt scheiden würde, zu mir kommen würdest und die Menge deiner Engel mit dir, in Herrlichkeit.

19Und ich, Johannes, sage zu ihr: Jesus Christus, unser Herr und unser Gott, kommt, und du siehst ihn, wie er es dir versprochen hat.

20Und die heilige Gottesmutter antwortete und sprach zu mir: Die Juden haben geschworen, dass sie nach meinem Tod meinen Leib verbrennen werden.

21Und ich antwortete und sprach zu ihr: Dein heiliger und kostbarer Leib wird auf keinen Fall die Verwesung sehen.

22Und sie antwortete und sprach zu mir: Bring ein Rauchfass, streue Weihrauch und bete.

23Und es kam eine Stimme aus den Himmeln, die sprach: Amen.

24Und ich, Johannes, hörte diese Stimme; und der Heilige Geist sprach zu mir: Johannes, hast du diese Stimme gehört, die im Himmel sprach, nachdem das Gebet beendet war? Und ich antwortete und sprach: Ja, ich habe sie gehört.

25Und der Heilige Geist sprach zu mir: Diese Stimme, die du gehört hast, bedeutet, dass das Erscheinen deiner Brüder, der Apostel, nahe ist und der heiligen Mächte, die heute hierher kommen werden.

26Und hierauf betete ich, Johannes.

27Und der Heilige Geist sprach zu den Aposteln: Ihr alle sollt, durch Wolken von den Enden der Welt gekommen, durch einen Wirbelsturm nach dem heiligen Bethlehem versammelt werden, um der Mutter unseres Herrn Jesus Christus willen: Petrus aus Rom, Paulus aus Tiberias, Thomas aus Indien diesseits, Jakobus aus Jerusalem.

28Andreas, der Bruder des Petrus, und Philippus, Lukas und Simon der Kananäer, und Thaddäus, der entschlafen war, wurden vom Heiligen Geist aus ihren Gräbern erweckt; zu ihnen sprach der Heilige Geist: Denkt nicht, dass dies nun die Auferstehung sei; sondern deshalb seid ihr aus euren Gräbern erstanden, damit ihr hingeht, um der Ehre und den Wundertaten der Mutter unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus den Gruß zu bringen, denn der Tag ihres Abscheidens, ihres Aufstiegs in die Himmel, ist nahe.

29Und Markus, ebenfalls herbeikommend, war von Alexandria zugegen; auch er mit den übrigen, wie zuvor gesagt, aus jedem Land.

30Und Petrus, von einer Wolke emporgehoben, stand zwischen Himmel und Erde, und der Heilige Geist hielt ihn fest.

31Und zur gleichen Zeit wurden auch die übrigen Apostel in Wolken entrückt und fanden sich bei Petrus ein.

32So sind sie alle durch den Heiligen Geist, wie gesagt, zusammengekommen.

33Und als wir zur Mutter unseres Herrn und Gottes hineingegangen waren und sie verehrt hatten, sprachen wir: Fürchte dich nicht und sei nicht betrübt; Gott, der Herr, der von dir geboren wurde, wird dich mit Herrlichkeit aus dieser Welt nehmen.

34Und sich in Gott, ihrem Heiland, freuend, richtete sie sich im Bett auf und sprach zu den Aposteln: Nun habe ich geglaubt, dass unser Meister und Gott aus dem Himmel kommt, und ich werde ihn sehen und so aus diesem Leben scheiden, wie ich gesehen habe, dass ihr gekommen seid.

35Und ich wünsche, dass ihr mir erzählt, wie ihr erfahren habt, dass ich scheide, und zu mir gekommen seid, und aus welchen Ländern und über welche Entfernung ihr hierher gekommen seid, dass ihr euch so beeilt habt, mich zu besuchen.

36Denn weder hat es der verborgen, der von mir geboren wurde, unser Herr Jesus Christus, der Gott des Alls; denn ich bin auch jetzt überzeugt, dass er der Sohn des Höchsten ist.

37Und Petrus antwortete und sprach zu den Aposteln: Jeder von uns soll der Mutter unseres Herrn vollständige Auskunft geben, entsprechend dem, was der Heilige Geist uns verkündet und befohlen hat.

38Und ich, Johannes, antwortete und sprach: Als ich zum heiligen Altar in Ephesus hineinging, um den göttlichen Dienst zu verrichten, sagt der Heilige Geist zu mir: Die Zeit des Abscheidens der Mutter deines Herrn ist nahe; geh nach Bethlehem, um sie zu grüßen.

39Und eine Wolke des Lichts entrückte mich und setzte mich an der Tür ab, wo du liegst.

40Auch Petrus antwortete: Ich, in Rom lebend, hörte gegen Morgengrauen durch den Heiligen Geist eine Stimme, die zu mir sprach: Die Mutter deines Herrn wird scheiden, da die Zeit nahe ist; geh nach Bethlehem, um sie zu grüßen.

41Und siehe, eine Wolke des Lichts entrückte mich; und ich sah auch die anderen Apostel auf Wolken zu mir kommen, und eine Stimme sprach zu mir: Geht alle nach Bethlehem.

42Und auch Paulus antwortete und sprach: Ich, in einer Stadt unweit von Rom lebend, die man das Land von Tiberias nennt, hörte den Heiligen Geist, der zu mir sprach: Die Mutter deines Herrn ist, nachdem sie diese Welt verlassen hat, durch ihr Scheiden auf dem Weg in die himmlischen Gegenden; geh aber auch du nach Bethlehem, um sie zu grüßen.

43Und siehe, eine Wolke des Lichts entrückte mich und setzte mich an denselben Ort wie euch.

44Auch Thomas antwortete und sprach: Ich, das Land der Inder durchziehend, als die Predigt durch die Gnade Christi sich ausbreitete, und als der Sohn der Schwester des Königs, Labdanus mit Namen, im Palast durch mich versiegelt werden sollte, da sagte mir plötzlich der Heilige Geist: Geh auch du, Thomas, nach Bethlehem, um die Mutter deines Herrn zu grüßen, denn sie tritt ihre Abreise in die Himmel an.

45Und eine Wolke des Lichts entrückte mich und setzte mich neben euch ab.

46Auch Markus antwortete und sprach: Als ich in der Stadt Alexandria das Gebetsoffizium des dritten Tages beendete, eben als ich betete, entrückte mich der Heilige Geist und brachte mich zu euch.

47Auch Jakobus antwortete und sprach: Während ich in Jerusalem war, befahl mir der Heilige Geist und sprach: Geh nach Bethlehem, denn die Mutter deines Herrn tritt ihre Abreise an.

48Und siehe, eine Wolke des Lichts entrückte mich und setzte mich neben euch.

49Und auch Matthäus antwortete und sprach: Ich habe Gott verherrlicht und verherrliche ihn, denn als ich in einem Boot war und von einem Sturm überrascht wurde, das Meer tobte mit seinen Wellen, da hüllte plötzlich eine Wolke des Lichts die stürmende Welle ein und machte sie still, und nachdem sie mich entrückt hatte, setzte sie mich neben euch ab.

50Und jene, die zuvor gekommen waren, antworteten ebenso und berichteten, wie sie gekommen waren.

51Und Bartholomäus sagte: Ich war in der Thebais und verkündete das Wort, und siehe, der Heilige Geist sagt zu mir: Die Mutter deines Herrn tritt ihre Abreise an; geh nun, um sie in Bethlehem zu grüßen.

52Und siehe, eine Wolke des Lichts entrückte mich und brachte mich zu euch.

53Die Apostel sagten all diese Dinge der heiligen Gottesmutter, warum sie gekommen waren und auf welche Weise; und sie streckte ihre Hände zum Himmel aus und betete und sprach: Ich verehre, preise und verherrliche deinen sehr zu preisenden Namen, o Herr, denn du hast auf die Niedrigkeit deiner Magd geschaut und weil du, der du mächtig bist, Großes an mir getan hast; und siehe, alle Geschlechter werden mich selig preisen.

54Und nach dem Gebet sagte sie zu den Aposteln: Entzündet Weihrauch und betet.

55Und als sie gebetet hatten, ertönte Donner vom Himmel, und eine furchtbare Stimme erklang, wie die von Wagen; und siehe, eine Menge himmlischer Heere von Engeln und Mächten, und eine Stimme wie die des Menschensohnes wurde gehört, und die Seraphim im Kreis um das Haus, in dem die heilige, makellose Gottesmutter und Jungfrau lag, so dass alle, die in Bethlehem waren, all die wunderbaren Dinge sahen, nach Jerusalem kamen und alle die wunderbaren Dinge berichteten, die geschehen waren.

56Und es geschah, als die Stimme gehört wurde, dass die Sonne und der Mond plötzlich um das Haus erschienen; und eine Versammlung der erstgeborenen Heiligen stand neben dem Haus, in dem die Mutter des Herrn lag, zu ihrer Ehre und Verherrlichung.

57Und ich sah auch, dass viele Zeichen geschahen: Die Blinden sahen, die Tauben hörten, die Lahmen gingen, Aussätzige wurden gereinigt und die von unreinen Geistern Besessenen geheilt; und jeder, der an Krankheit und Siechtum litt, rief, das Äußere der Mauer des Hauses berührend, in dem sie lag: Heilige Maria, die du Christus, unseren Gott, geboren hast, erbarme dich unser.

58Und sogleich wurden sie geheilt.

59Und große Menschenmengen aus jedem Land, die in Jerusalem zum Gebet wohnten, kamen, nachdem sie von den Zeichen gehört hatten, die in Bethlehem durch die Mutter des Herrn geschehen waren, an den Ort, um Heilung verschiedener Krankheiten zu suchen, und sie erlangten sie auch.

60Und an jenem Tag herrschte unaussprechliche Freude unter der Menge derer, die geheilt worden waren, ebenso bei denen, die zusahen; sie verherrlichten Christus, unseren Gott, und seine Mutter.

61Und ganz Jerusalem feierte von Bethlehem aus mit Psalmen und geistlichen Liedern.

62Und die Priester der Juden waren zusammen mit ihrem Volk erstaunt über die Dinge, die geschehen waren; und von dem schwersten Hass bewegt und wieder durch leichtfertige Überlegung, hielten sie eine Versammlung ab und beschlossen, gegen die heilige Gottesmutter und die heiligen Apostel, die in Bethlehem waren, vorzugehen.

63Und so machte sich die Menge der Juden auf den Weg nach Bethlehem; als sie aber eine Meile entfernt waren, geschah es, dass sie eine schreckliche Erscheinung sahen und ihre Füße festgehalten wurden; danach kehrten sie zu ihren Landsleuten zurück und berichteten den Hohenpriestern die ganze schreckliche Erscheinung.

64Diese aber, noch mehr vor Wut kochend, gingen zum Landpfleger, schrien und sprachen: Das Volk der Juden ist durch diese Frau zugrunde gerichtet; verjage sie aus Bethlehem und aus dem Gebiet von Jerusalem.

65Und der Landpfleger, über die wunderbaren Dinge erstaunt, sprach zu ihnen: Ich werde sie weder aus Bethlehem noch von irgendeinem anderen Ort verjagen.

66Und die Juden fuhren fort zu schreien und beschworen ihn bei der Gesundheit des Tiberius Caesar, die Apostel aus Bethlehem zu bringen.

67Und wenn du das nicht tust, werden wir es dem Caesar melden.

68Daher sandte er, gezwungen, einen Tribun der Soldaten gegen die Apostel nach Bethlehem.

69Und der Heilige Geist sprach zu den Aposteln und zur Mutter des Herrn: Siehe, der Landpfleger hat einen Tribun gegen euch gesandt, da die Juden einen Aufruhr angezettelt haben.

70Geht also fort von Bethlehem und fürchtet euch nicht; denn siehe, durch eine Wolke werde ich euch nach Jerusalem bringen; denn die Kraft des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ist mit euch.

71Die Apostel erhoben sich daher sogleich und gingen aus dem Haus, das Bett der Herrin, der Mutter Gottes, tragend, und machten sich auf den Weg nach Jerusalem; und sogleich, wie der Heilige Geist gesagt hatte, von einer Wolke emporgehoben, fanden sie sich in Jerusalem im Haus der Herrin ein.

72Und sie standen auf und sangen fünf Tage lang ununterbrochen Loblieder.

73Als der Tribun nach Bethlehem kam und dort weder die Mutter des Herrn noch die Apostel fand, ergriff er die Bethlehemiter und sprach zu ihnen: Seid ihr nicht gekommen und habt dem Landpfleger und den Priestern alle Zeichen und Wunder erzählt, die geschehen waren, und wie die Apostel aus jedem Land gekommen waren? Wo sind sie denn? Kommt, geht zum Landpfleger nach Jerusalem.

74Denn der Tribun wusste nichts vom Abzug der Apostel und der Mutter des Herrn nach Jerusalem.

75Der Tribun nahm daher die Bethlehemiter mit, ging zum Landpfleger hinein und sagte, er habe niemanden gefunden.

76Und nach fünf Tagen erfuhren der Landpfleger, die Priester und die ganze Stadt, dass die Mutter des Herrn mit den Aposteln in ihrem eigenen Haus in Jerusalem war, aufgrund der Zeichen und Wunder, die dort geschahen.

77Und eine Menge von Männern und Frauen und Jungfrauen kam zusammen und rief: Heilige Jungfrau, die du Christus, unseren Gott, geboren hast, vergiss das Geschlecht der Menschen nicht.

78Als dies geschah, nahmen die Juden, und mit ihnen die Priester, die noch mehr von Hass bewegt waren, Holz und Feuer und zogen herauf, in der Absicht, das Haus zu verbrennen, in dem die Mutter des Herrn mit den Aposteln wohnte.

79Und der Landpfleger stand von ferne und sah dem Schauspiel zu.

80Und als die Juden zur Tür des Hauses kamen, siehe, da brach plötzlich eine Feuermacht aus dem Inneren hervor, durch einen Engel, und verbrannte eine große Menge der Juden.

81Und es herrschte große Furcht in der ganzen Stadt; und sie verherrlichten Gott, der von ihr geboren worden war.

82Als der Landpfleger sah, was geschehen war, rief er allem Volk zu und sprach: Wahrlich, er, der von der Jungfrau geboren wurde, den ihr zu vertreiben gedacht habt, ist der Sohn Gottes; denn diese Zeichen sind die des wahren Gottes.

83Und es gab eine Spaltung unter den Juden; und viele glaubten im Namen unseres Herrn Jesus Christus infolge der Zeichen, die geschehen waren.

84Und nachdem alle diese wunderbaren Dinge durch die Mutter Gottes und die immerjungfräuliche Maria, die Mutter des Herrn, geschehen waren, während wir Apostel bei ihr in Jerusalem waren, sprach der Heilige Geist zu uns: Ihr wisst, dass am Tag des Herrn die gute Botschaft der Jungfrau Maria durch den Erzengel Gabriel überbracht wurde; und am Tag des Herrn wurde der Heiland in Bethlehem geboren; und am Tag des Herrn kamen die Kinder Jerusalems mit Palmzweigen ihm entgegen und riefen: Hosianna in der Höhe, gesegnet sei, der im Namen des Herrn kommt; und am Tag des Herrn stand er von den Toten auf; und am Tag des Herrn wird er kommen, um die Lebenden und die Toten zu richten; und am Tag des Herrn wird er aus dem Himmel kommen zur Herrlichkeit und Ehre des Abscheidens der heiligen, ruhmreichen Jungfrau, die ihn geboren hat.

85Und am selben Tag des Herrn sagt die Mutter des Herrn zu den Aposteln: Entzündet Weihrauch, denn Christus kommt mit einer Schar von Engeln; und siehe, Christus ist nahe und sitzt auf einem Thron der Cherubim.

86Und während wir alle beteten, erschienen unzählige Mengen von Engeln, und der Herr stieg in großer Macht auf den Cherubim empor; und siehe, ein Lichtstrom kam zur heiligen Jungfrau wegen der Gegenwart ihres eingeborenen Sohnes, und alle Mächte der Himmel fielen nieder und beteten ihn an.

87Und der Herr sprach zu seiner Mutter: Maria.

88Und sie antwortete und sprach: Hier bin ich, Herr.

89Und der Herr sprach zu ihr: Sei nicht betrübt, sondern dein Herz freue sich und sei froh; denn du hast Gnade gefunden, die Herrlichkeit zu schauen, die mir von meinem Vater gegeben ist.

90Und die heilige Gottesmutter blickte auf und sah in ihm eine Herrlichkeit, die der Mund des Menschen nicht auszusprechen oder zu erfassen vermag.

91Und der Herr blieb bei ihr und sprach: Siehe, von jetzt an wird dein kostbarer Leib ins Paradies versetzt werden und deine heilige Seele in die Himmel, zu den Schätzen meines Vaters, in überschwänglichem Glanz, wo Friede und Freude der heiligen Engel sind, und anderes mehr.

92Und die Mutter des Herrn antwortete und sprach zu ihm: Lege deine rechte Hand auf mich, o Herr, und segne mich.

93Und der Herr streckte seine unbefleckte rechte Hand aus und segnete sie.

94Und sie ergriff seine unbefleckte rechte Hand und küsste sie und sprach: Ich verehre diese Hand, die Himmel und Erde geschaffen hat; und ich rufe deinen sehr zu preisenden Namen an, Christus, o Gott, König der Zeitalter, eingeborener Sohn des Vaters: Nimm deine Magd auf, du, der du gewürdigt wurdest, durch mich, die Niedrige, geboren zu werden, um das Geschlecht der Menschen durch deine unaussprechliche Heilsordnung zu retten; gewähre du deine Hilfe jedem Menschen, der deine Magd anruft, zu ihr betet oder ihren Namen nennt.

95Und während sie dies sagt, gehen die Apostel zu ihren Füßen, beten an und sagen: O Mutter des Herrn, hinterlasse der Welt einen Segen, da du sie verlässt.

96Denn du hast sie gesegnet und aufgerichtet, als sie zugrunde gegangen war, indem du das Licht der Welt geboren hast.

97Und die Mutter des Herrn betete und sprach in ihrem Gebet so: O Gott, der du durch deine große Güte deinen eingeborenen Sohn aus den Himmeln gesandt hast, um in meinem niedrigen Leib zu wohnen, der du gewürdigt wurdest, von mir geboren zu werden, die ich so niedrig bin: erbarme dich der Welt und jeder Seele, die deinen Namen anruft.

98Und wieder betete sie und sprach: O Herr, König der Himmel, Sohn des lebendigen Gottes, nimm jeden Menschen an, der deinen Namen anruft, damit deine Geburt verherrlicht werde.

99Und wieder betete sie und sprach: O Herr Jesus Christus, der du im Himmel und auf Erden allmächtig bist, in diesem Gebet erflehe ich deinen heiligen Namen; an jedem Ort und zu jeder Zeit, wo meines Namens gedacht wird, mache diesen Ort heilig und verherrliche jene, die dich durch meinen Namen verherrlichen, und nimm von solchen Personen all ihre Gabe an, all ihr Flehen und all ihr Gebet.

100Und als sie so gebetet hatte, sprach der Herr zu seiner Mutter: Dein Herz freue sich und sei froh; denn jede Gnade und jede Gabe ist dir von meinem Vater im Himmel gegeben und von mir und vom Heiligen Geist. Jede Seele, die deinen Namen anruft, wird nicht beschämt werden, sondern Erbarmen, Trost, Beistand und Zuversicht finden, sowohl in der jetzigen Welt als auch in der, die kommen wird, in der Gegenwart meines Vaters in den Himmeln.

101Und der Herr wandte sich und sprach zu Petrus: Die Zeit ist gekommen, den Gesang des Hymnus zu beginnen.

102Und Petrus begann den Gesang des Hymnus, und alle Mächte der Himmel antworteten mit dem Halleluja.

103Und da leuchtete das Antlitz der Mutter des Herrn heller als das Licht; und sie erhob sich und segnete jeden der Apostel mit ihrer eigenen Hand; und alle gaben Gott die Ehre; und der Herr streckte seine unbefleckten Hände aus und nahm ihre heilige und makellose Seele auf.

104Und mit dem Scheiden ihrer makellosen Seele wurde der Ort mit Wohlgeruch und unaussprechlichem Licht erfüllt; und siehe, eine Stimme aus dem Himmel war zu hören, die sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen.

105Und Petrus und ich, Johannes, und Paulus und Thomas liefen und wickelten ihre kostbaren Füße zur Weihe ein; und die zwölf Apostel legten ihren kostbaren und heiligen Leib auf eine Bahre und trugen ihn.

106Und siehe, während sie sie trugen, ergriff ein gewisser vornehmer Hebräer namens Jephonias den Leichnam, lief auf den Leib zu und legte seine Hände auf die Bahre; und siehe, ein Engel des Herrn schnitt ihm durch unsichtbare Macht mit einem Feuerschwert beide Hände von den Schultern ab und ließ sie an der Bahre hängen, emporgehoben in der Luft.

107Und bei diesem Wunder, das geschehen war, riefen alle Juden, die es sahen: Wahrlich, der, den du geboren hast, ist der wahre Gott, o Gottesmutter, immerjungfräuliche Maria.

108Und Jephonias selbst, als Petrus ihm befahl, damit die wunderbaren Werke Gottes offenbart würden, stand auf hinter der Bahre und rief: Heilige Maria, die du Christus, der Gott ist, geboren hast, erbarme dich meiner.

109Und Petrus wandte sich und sprach zu ihm: Im Namen dessen, der von ihr geboren wurde, sollen deine Hände, die dir genommen worden sind, wieder angefügt werden.

110Und sogleich, auf das Wort des Petrus, kamen die Hände, die an der Bahre der Herrin hingen, und wurden an Jephonias angefügt.

111Und er glaubte und verherrlichte Christus, den Gott, der von ihr geboren worden war.

112Und als dieses Wunder vollbracht war, trugen die Apostel die Bahre und legten ihren kostbaren und heiligen Leib in Gethsemane in ein neues Grab.

113Und siehe, ein Duft süßen Wohlgeruchs entströmte dem heiligen Grab unserer Herrin, der Mutter Gottes; und drei Tage lang wurden die Stimmen unsichtbarer Engel gehört, die Christus, unseren Gott, verherrlichten, der von ihr geboren worden war.

114Und als der dritte Tag zu Ende war, wurden die Stimmen nicht mehr gehört; und von da an wussten alle, dass ihr makelloser und kostbarer Leib ins Paradies versetzt worden war.

115Und nachdem er versetzt worden war, siehe, da sahen wir Elisabeth, die Mutter des heiligen Johannes des Täufers, und Anna, die Mutter der Herrin, und Abraham, und Isaak, und Jakob, und David, die das Halleluja singen, und alle Chöre der Heiligen beten die heiligen Reliquien der Mutter des Herrn an; und der Ort ist voll von Licht, als dem nichts heller sein könnte, und voll eines Überflusses an Wohlgeruch an jenem Ort, an den ihr kostbarer und heiliger Leib im Paradies versetzt worden war; und die Melodie derer, die den preisen, der von ihr geboren wurde, ist eine süße Melodie, von der es keine Sättigung gibt, wie sie nur Jungfrauen und ihnen allein zu hören gegeben ist.

116Wir Apostel nun, die wir die plötzliche kostbare Entrückung ihres heiligen Leibes gesehen haben, verherrlichten Gott, der uns seine Wunder beim Scheiden der Mutter unseres Herrn Jesus Christus gezeigt hat, deren Fürbitten und Dienste wir alle würdig sein mögen zu empfangen, unter ihrem Schutz, ihrer Stütze und ihrem Schirm, sowohl in der jetzigen Welt als auch in der, die kommen wird; und wir verherrlichen zu jeder Zeit und an jedem Ort ihren eingeborenen Sohn, zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist, in Ewigkeit. Amen.

Wörter in diesem Kapitel

Was diese Wörter im Original bedeuteten – und wo sie noch vorkommen.

Englischer Text: Ante-Nicene Fathers, vol. 8, The Book of John Concerning the Falling Asleep of Mary, Alexander Walker, 1886 (gemeinfrei). Deutsch: Übersetzung von Lux Veritas auf Grundlage dieser Ausgabe.

Quelle: Ante-Nicene Fathers, vol. 8, The Book of John Concerning the Falling Asleep of Mary, Alexander Walker (1886) · gemeinfrei