Diese Studie anhören
Verfasserschaft, Datierung und Umfeld
Die Überschrift schreibt die Weissagung dem Propheten Habakuk zu, gibt aber keine Lebensbeschreibung. Die Chaldäer in 1:6 rücken die geschichtliche Diskussion in die Nähe des Aufstiegs Babylons. Die Catholic Encyclopedia stellt Datierungen vor, die vor und nach dem Fall Jerusalems vorgeschlagen wurden, und bevorzugt etwa 605–600 v. Chr.; sie verzeichnet auch die Debatte darüber, ob das Gedicht in Kapitel 3 denselben Verfasser hat. Ein genaues Datum bleibt umstritten.
Aufbau der drei Kapitel
Kapitel 1 beginnt mit einer Klage über Gewalt und gescheiterte Gerechtigkeit; darauf folgt die Antwort, die die Chaldäer ankündigt, und eine weitere Frage des Propheten. In Kapitel 2 wartet er auf eine Antwort, erhält den Auftrag, die Weissagung aufzuschreiben, und hört eine Reihe von Anklagen gegen den Unterdrücker. Kapitel 3 ist ein dichterisches Gebet mit musikalischen Anweisungen am Anfang und am Ende.
Themen und Schlüsselstellen
Die Frage in 1:2–4 lautet, wie man Gerechtigkeit erwarten soll, während die Gewalt gedeiht. Die Antwort in 2:4 stellt den Hochmütigen dem Gerechten gegenüber, der durch seine Treue lebt; Römer 1:17, Galater 3:11 und Hebräer 10:38 greifen die Stelle in ihrem jeweiligen Zusammenhang wieder auf. Die Anklagen in 2:6–20 betreffen Raub, Blutvergießen und Götzenbilder. In 3:17–19 bringt der Verlust von Ernte und Herden das Vertrauen des Sprechers nicht zum Schweigen.
Zusammenfassung nach Abschnitten
1: Habakuk beklagt das Unrecht im eigenen Land. Die Antwort kündigt ein Handeln der Chaldäer an, doch ihre Gewalt löst eine weitere Klage aus: Wie kann eine noch grausamere Macht dem Gericht dienen?
2: Der Prophet wartet auf seinem Posten. Die Weissagung betrifft eine bestimmte Zeit und enthält aufeinanderfolgende Anklagen gegen den, der durch Raub reich wird und mit Blut baut.
3: Das Gebet erinnert an das machtvolle Erscheinen Gottes und das Beben der Schöpfung. Am Ende bekennt der Sprecher seine Freude an Gott, auch wenn Früchte, Nahrung und Herden fehlen.
Rezeption und Überlieferung
Habakuk gehört in den jüdischen und christlichen Bibeln zu den Zwölf Kleinen Propheten. Die kritische Debatte über Kapitel 3 betrifft auch dessen Psalmform und die musikalischen Anweisungen. Die christliche Wiederverwendung von 2:4 hebt die ursprüngliche Frage des Propheten nach Gewalt und verzögerter Gerechtigkeit nicht auf, die die ersten beiden Kapitel bestimmt.
Quellen
- Francis E. Gigot, Habacuc (Habakkuk) (1910).