Diese Studie anhören
Verfasserschaft, Datierung und Rahmen
Die jüdische und die christliche Überlieferung verbinden die Tora mit Mose, der zentralen menschlichen Gestalt des 2. Buches Mose (Exodus). Diese Zuschreibung entscheidet nicht darüber, wann das vollständige Buch geschrieben wurde. Die Jewish Encyclopedia beschreibt eine Verbindung älterer Materialien und setzt die Hauptstränge JE im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. an, das priesterliche Material während oder bald nach dem babylonischen Exil. Die Society for Old Testament Study nennt für J und E einen weiteren Zeitraum vom 10. bis zum 6. Jahrhundert und setzt die Endgestalt während oder nach dem Exil an, im 6. oder 5. Jahrhundert. Dies sind vorgeschlagene Daten für die literarische Entwicklung, nicht für die geschilderte Wanderung. Die Forschung ist weiterhin uneins über die Grenzen der Quellen und darüber, ob das Buch durch Zusätze zu einem kleineren Kern gewachsen ist.
Das Buch wurde auf Hebräisch für das gemeinsame Gedächtnis Israels überliefert. Sein hebräischer Name Schemot stammt von den Namen an seinem Anfang; der griechische Titel Exodus hebt den Auszug hervor. Die Erzählung beginnt mit einer wachsenden Familie, die zur Zwangsarbeit herangezogen wird, und endet mit einem Volk, das sich um ein Heiligtum versammelt. Die Welt der Erzähler und Redaktoren muss nicht mit der Zeit identisch sein, die in der Geschichte dargestellt wird. Anweisungen zum Gottesdienst und zum alltäglichen Umgang richten sich auch an Leser, denen an der Bewahrung einer gemeinsamen Lebensweise liegt. Erzählung, Gesetz, Rede und Beschreibungen heiliger Geräte stehen nebeneinander und tragen zur Debatte darüber bei, wie das Buch entstanden ist.
Ein Weg durch vierzig Kapitel
Die Kapitel 1–6 führen von der Unterdrückung zu Moses Geburt, Berufung und der ersten gescheiterten Bitte an den Pharao. In 7–15 führen die Zeichen und Plagen zum Passa, zum Auszug und zum Durchzug durch das Meer. Die Kapitel 16–24 folgen der Wüstenwanderung und der Ankunft am Sinai, einschließlich der Gebote, weiterer Gesetze und der Bundeszeremonie. Die Kapitel 25–31 legen die Pläne für die Stiftshütte, ihre Geräte, ihre Priester und ihre Handwerker dar. In 32–40 stört das goldene Kalb diese Pläne, doch Fürbitte und Bundeserneuerung gehen dem eigentlichen Bau voraus. Das letzte Kapitel beschreibt eine Wolke, die das fertige Zelt bedeckt. Diese Abschnitte umfassen alle vierzig Kapitel und helfen den Lesern, den Szenenwechseln zu folgen, ohne Rettung von Gesetz und Gottesdienst zu trennen.
Themen und Stellen zum Lesen
Unterdrückung stößt in 1:11 und 1:17 auf Widerstand: Der Pharao verhängt Zwangsarbeit, während die Hebammen seinen Befehl, die Knaben zu töten, verweigern. Die Antwort auf das Leiden nimmt in 3:7 und 6:6 Gestalt an, wo das Hören auf die Not zur Verheißung der Befreiung führt. Das Passa gibt den Familien in 12:13 ein bleibendes Zeichen, und die Durchquerung in 14:21 macht aus der Flucht einen gemeinsamen Durchzug. Der Bund verlangt in 19:5 eine Antwort, während 20:2 die Gebote hinter die Erklärung der Befreiung aus der Knechtschaft stellt. Die Fürsorge für Fremde in 22:21 und 23:9 beruft sich auf Israels eigene Erfahrung als Fremde. Das Heiligtum erhält in 25:8 seinen Zweck und in 40:34 sein abschließendes Bild, wenn die Wolke das vollendete Zelt erfüllt.
Diese Themen entfalten sich nicht als getrennte Lektionen. Mit dem Verlassen Ägyptens endet das Bedürfnis nach Nahrung und Wasser nicht; diese Nöte bestimmen die Kapitel 16 und 17. Der Anfang der Gebote erinnert an die Befreiung, bevor er irgendeine Regel gibt. Auch das Heiligtum gelangt nicht unmittelbar vom Entwurf zur Vollendung: Die Anbetung des Kalbes tritt dazwischen. Die Abfolge lädt die Leser ein zu beobachten, wie ein Volk sich an seine Vergangenheit erinnert und zugleich lernt, miteinander zu leben. Sie lässt auch Spannungen sichtbar bleiben, darunter die Angst vor Mangel, die Last, Streitfälle zu entscheiden, und die Schwierigkeit, dem Bund treu zu bleiben.
Zusammenfassung nach Abschnitten
1–6: Nach Josephs Tod beunruhigt Israels Wachstum einen neuen König. Er legt schwere Arbeit auf und befiehlt, die hebräischen Knaben zu töten, doch die Hebammen weigern sich. Eine Mutter verbirgt ihren Sohn und setzt ihn dann auf den Fluss, wo die Tochter des Pharao ihn aufnimmt und Mose nennt. Als Erwachsener erschlägt er einen Ägypter, der einen Hebräer schlug, flieht nach Midian und gründet dort eine Familie. In der Nähe des Horeb begleitet eine Flamme in einem Dornbusch den Ruf, nach Ägypten zurückzukehren. Mose zögert wegen seines Redens, und Aaron wird sein Helfer. Ihre erste Bitte an den Pharao vermehrt nur die Lasten der Arbeiter, und das Volk wendet sich gegen seine Vertreter. Eine weitere göttliche Rede verheißt die Befreiung, gefolgt von einer Genealogie und einer erneuerten Beauftragung. Der Anfang führt also von einem gefährdeten Kind zu einem unsicheren Anführer, der einem verhärteten Herrscher gegenübersteht (1:17; 3:7; 6:6).
7–15: Mose und Aaron treten dem Pharao entgegen, der trotz der Zeichen nicht bereit ist, Israel ziehen zu lassen. Der Fluss wird geschlagen, und eine Reihe von Plagen verwüstet Land, Vieh, Ernten und das tägliche Leben. Versprechen, die in Augenblicken der Not gegeben werden, halten nicht. Vor dem letzten Schlag gegen die Erstgeborenen erhalten die israelitischen Haushalte Anweisungen für eine Mahlzeit, ein Zeichen an ihren Türen und eine jährliche Gedenkfeier. Der Pharao befiehlt ihnen dann auszuziehen. Ihr Weg ändert sich, die ägyptischen Streitkräfte verfolgen sie, und eine Öffnung im Meer lässt das Volk hindurchziehen. Die Verfolger können nicht sicher folgen. Ein Lied feiert die Rettung, und Mirjam führt die Frauen mit Musikinstrumenten an. Doch die Wanderung bringt schnell eine andere Schwierigkeit: Das Wasser, das sie finden, ist bitter. Die Kapitel enden also jenseits von Ägypten, ohne zu behaupten, ein Leben ohne Mangel habe schon begonnen (12:13; 14:21; 15:20).
16–24: Hunger löst in der Wüste Klagen aus. Wachteln und Manna kommen, mit Anweisungen zum täglichen Sammeln und zur Ruhe am siebten Tag. In Rephidim kehrt der Durst zurück, und Mose schlägt einen Felsen. Nach einem Angriff Amaleks besucht Jethro Mose und rät ihm, andere einzusetzen, die gewöhnliche Streitfälle anhören. Am Sinai bereitet sich das Volk auf eine göttliche Erscheinung vor. Die Gebote beginnen mit der Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten und behandeln dann Gottesdienst, Familie und das Verhältnis unter Nachbarn. Weitere Gesetze betreffen Verletzung, Eigentum, Knechte und Fremde und geben dem Zusammenleben konkrete Gestalt. Mose berichtet die Worte, das Volk gelobt Gehorsam, und eine Zeremonie stiftet den Bund. Dann steigt er auf den Berg, während die anderen unten warten. Die Abfolge verbindet die Versorgung für das unmittelbare Überleben mit einem dauerhaften Rahmen für die Gemeinschaft (16:15; 20:2; 24:7).
25–31: Auf dem Berg empfängt Mose genaue Anweisungen für ein tragbares Heiligtum. Gaben des Volkes sollen das Material für eine Lade, einen Tisch, einen Leuchter, Teppiche und einen Altar liefern. Maße und Anordnung gliedern Bereiche mit unterschiedlichem Zugang. Die Anweisungen betreffen auch die Kleider für Aaron und seine Söhne, ihre Weihe und den fortdauernden Dienst der Lampen und Opfer. Ein Räucheraltar, ein Becken und dem Gottesdienst vorbehaltene Zubereitungen folgen. Bezalel und Oholiab werden für kunstfertige Arbeit genannt, neben anderen Handwerkern. Das Gebot der wöchentlichen Ruhe gegen Ende zeigt, dass selbst der Bau des heiligen Ortes eine Grenze hat. Schließlich empfängt Mose die Tafeln des Bundes. In dieser Phase besteht das Heiligtum als eine Reihe von Anordnungen und wartet auf die willigen Gaben des Volkes und die Arbeit der Handwerker, bevor es unter ihnen stehen kann (25:8; 28:1; 31:3).
32–40: Moses Zögern auf dem Berg löst die Forderung nach einem sichtbaren Gottesbild aus. Aaron macht ein goldenes Kalb, und ein Fest folgt. Mose steigt hinab, zerbricht die Tafeln und stellt sich dem Bruch. Er tritt fürbittend ein, und die Gespräche über die göttliche Gegenwart gehen weiter, bevor neue Tafeln und ein erneuerter Bund folgen. Wieder unter dem Volk, teilt er die Pläne für das Heiligtum mit. Willige Geber bringen mehr als genug, und Handwerker fertigen das Zelt, seine Geräte und die Priesterkleider. Eine Aufstellung des Materials und eine Besichtigung der fertigen Stücke gehen dem Aufbau voraus. Das Zelt wird am festgesetzten Tag aufgerichtet und jeder Gegenstand an seinen Platz gestellt. Eine Wolke bedeckt es, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllt es. Danach lenkt die Bewegung der Wolke die Reisen Israels. Das Buch schließt, indem es Versöhnung, gemeinsame Arbeit und die in den Anweisungen zum Heiligtum gesuchte Gegenwart miteinander verbindet (32:4; 35:21; 40:34).
Rezeption
Das 2. Buch Mose gehört zur jüdischen Tora und zum Alten Testament der christlichen Überlieferungen; sein Platz in diesen Sammlungen ist unbestritten. Das jüdische Passa hält den Auszug im gemeinschaftlichen Gedächtnis wach, und der Sinai bleibt für das Studium von Bund und Gesetz zentral. Frühe Christen schöpften aus den Bildern von Befreiung und Durchzug, um ihre eigenen Gemeinden zu deuten, wenngleich ihre Praktiken und Lesarten verschieden waren. Die Society for Old Testament Study weist zudem darauf hin, dass die Heiligtumstraditionen für Juden und Samaritaner unterschiedliche Bedeutung gewannen, verbunden mit Jerusalem beziehungsweise dem Berg Garizim. Die Debatte über den geschichtlichen Status der Ereignisse dauert an. Innerhalb des Buches selbst ist die literarische Bewegung jedoch klar: Eine Gruppe unter Zwangsarbeit wird zu einer Gemeinschaft mit Verpflichtungen, Gottesdienst und einer Geschichte ihrer Anfänge.
Quellen
- Jewish Encyclopedia, Exodus, Book of (1906).
- Encyclopaedia Britannica, Exodus, Book of (1911).
- Society for Old Testament Study, Exodus (s.d.).